Die Stadt München bietet gute Jobs und viel Lebensqualität. Solange das so bleibt, wird die Stadt viele Menschen anziehen – das ist ein Gesetz der Logik. Die Experten der Stadtverwaltung rechnen damit, dass im Jahr 2045 über 1,8 Millionen Menschen in der Landeshauptstadt leben werden, also gut 200.000 mehr als heute. So mancher, der jetzt schon unter den Begleiterscheinungen einer engen Metropole ächzt, hört das mit Unbehagen, möchte die Stadt lieber nicht weiter wachsen sehen.
Allerdings: Wer den Zuzug begrenzen möchte, der müsste wegen der magnetischen Logik attraktiver Orte entweder die Stadt greisliger machen (was niemand ernsthaft wollen kann) oder in Kauf nehmen, dass die Kosten noch weiter steigen (was nur Superreiche wollen können).
Was München deshalb braucht, ist nicht Gegrantel und nicht Blockade, sondern Hirn. Abstrakt gesprochen: Wenn die Quantität der Bevölkerung steigt, muss im Gleichschritt auch die Qualität der Infrastruktur steigen. Dann geht‘s halt nicht mehr, dass wir ein neues Viertel bauen – aber ohne ausreichende Anbindung an den Nahverkehr (wie in Freiham). Oder dass wir ein neues Viertel bauen – mit so üppig vielen Kita-Plätzen, dass die Gruppen gar nicht voll werden, weil die meisten Kinder der neu eingezogenen Familien bei Fertigstellung der Häuser schon im Schul-Alter sind (wie in Bogenhausen).
Deshalb ist es zwar richtig, dass sich Münchens neue Stadtregierung den Wohnungsbau als wichtigstes Ziel auf die Fahnen geschrieben hat – für alle, die noch kommen. Genauso wichtig ist aber ganzheitliche Planung mit Verkehr, Bildung, Erholungsflächen, und, und, und. Für alle, die schon da sind.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET