KOMMENTAR

Lasst die Spiders auf dem Volksfest!

von Redaktion

Debatte um „Skandal im Sperrbezirk“

Man muss sich das bildlich vorstellen. Da sitzt jemand an einem Schreibtisch und beschäftigt sich mit der Frage, ob man auf einem Volksfest das Lied „Skandal im Sperrbezirk“ spielen darf (wegen Sexismus-Verdacht). Das ist Arbeitszeit. Bezahlt aus Steuergeldern – denn dieser Jemand sitzt in einem Amt in Erlangen, wo der Spider-Murphy-Song auf der Bergkirchweih nun heuer lieber nicht ertönen soll.

Man denkt sich: Wie glücklich muss ein Land sein, in dem die Staatsdiener Zeit haben, sich um solche Themen zu kümmern! Offenbar gibt‘s da keine wichtigeren Probleme.

Richtig ist zwar natürlich: Es muss Grenzen dessen geben, was man aufführen darf. Nazi-Liedgut, Gewaltverherrlichung, Rassismus, Sexismus: Das gehört verboten. Beim „Skandal im Sperrbezirk“ reden wir aber nicht von einem solchen Inhalt. Deshalb lassen wir bittschön die Kirche im Dorf und die Spider Murphy Gang auf dem Volksfest. Auch wegen dieser Überlegung: Wer wegen Geschmacksfragen einzelne Lieder wegschweigen will, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Beschwerde laut wird, in diesem Land dürfe man nichts mehr sagen.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET

Artikel 1 von 11