Riedering – Der Verein sagt stolz von sich, nicht nur seine Mitglieder von der einfachen wöchentlichen Plattlerprobe bis hin zum festlichen Sonntagsgottesdienst zu prägen, sondern auch das äußere Erscheinungsbild der Gemeinde. Und so wird in der Festwoche nicht nur der Geburtstag gefeiert, sondern es stehen die überlieferten Traditionen, die christlichen Werte, echte Handarbeit, Nachhaltigkeit, Regionalität, Wertschätzung ehrlicher und regionaler Produkte sowie echte alpenländische Volksmusik im Mittelpunkt.
Stolz sind Erster Vorstand Florian Niedermaier und Schriftführer Alexander Dhom auf die bisher geleistete Vorarbeit, richten sie doch eine Jubiläumsfeier aus, die zwar vom Titel her anderen Trachtenjubiläen ähnelt, die aber doch auch anders ist. Anders im Sinne von „anders halt, neue Sachen ausprobieren“, so Florian Niedermaier. Zu einer solchen Feier gehöre mehr als Tracht und Traditionen drumherum, der GTEV sehe sich eher als Kulturverein im weitesten Sinne, als Anspruch, führt Alexander Dhom weiter aus. Und das erschließt sich schon auf den Plakaten und Werbematerialien – groß steht da nur „Hundertzehn“ auf grünem Grund, das Programm ist eher kleingedruckt, und bei den Fotos steht die Bewegung im Vordergrund, sind doch die Aufnahmen bei Tanzproben entstanden.
Bewegung, das ist überhaupt der Gedanke, der Florian Niedermaier und Alexander Dhom antreibt, soll sich doch die Festwoche von „traditionellen“ Feiern unterscheiden. Der Alltag und die Vielseitigkeit sollen sich in der Festwoche widerspiegeln, von der Patroziniumsfeier der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, dem 25. Jubiläum der „Riederinger Musikanten“ und dem zentralen Heimatabend bis hin zu den Veranstaltungen der Jungbauernschaft und der Feuerwehr.
Historische Maschinen und regionale Speisen
Die Landwirtschaft wird am Rossererfest eine wichtige Rolle spielen: Es wird neben historischen Landmaschinen rund ums Pferd auch ein Preisholzrücken und weitere Aktivitäten geben. Aber auch beim Essen wird es eher „un-“traditionell, setzen die Trachtler doch auch hier auf die Themen Nachhaltigkeit, Regionalität und artgerechte Tierhaltung. So arbeite man beispielsweise mit der Naturland-Gärtnerei Pummerer aus Tinning und anderen Lieferanten aus dem näheren Umkreis zusammen. „Keine Hendl, statt Kessel- und Grohfleisch vegetarische Gerichte und bayerische Antipasti“, zählt Niedermaier Beispiele aus der Speisekarte auf.
Billige Hendl, das passe nicht zum Konzept, das sei inkonsequent gegenüber den Prinzipien Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Regionalität, ergänzt Dhom. Wie da das Publikum reagiert, bleibt abzuwarten, aber das sehen die beiden ganz gelassen. Die meisten hätten gesagt: „Lasst sie mal machen!“ Es gehe ja nicht um Abgrenzung oder dass man aus Prinzip alles anders machen wolle, betonen sie unisono, aber die beiden wollen doch – und dies im Namen des gesamten Festkomitees – die echten Traditionen leben und feiern. Auch gebe es keine politische Bühne, wie sonst üblich. Man wolle politisch neutral bleiben, ergänzt Niedermaier.
So steht in Riedering eine Festwoche bevor, die anders zu werden verspricht, anders im Sinne von traditionell, wert- und heimatverbunden. Da kommt dann auch die Vereinsgeschichte ins Spiel. Dazu können die beiden Organisatoren ebenfalls viel erzählen. Eine Geschichte sticht dabei besonders heraus: Die alte Vereinsfahne von 1907 habe Theodor Freiherr von Cramer-Klett junior gestiftet, und diese wurde auch bei allen Feierlichkeiten mitgeführt. Da die Fahne kein kirchliches Motiv trug, durfte sie nur verschleiert bei kirchlichen Anlässen gezeigt werden. Erst 1923 wurde ein kirchliches Motiv aufgestickt und darf deshalb seit knapp 85 Jahren offen zur Schau getragen werden. Anders, ja, das ist der GTEV Almengrün – in der Festwoche in Riedering zu erleben.