Zehn Jahre nur leere Versprechen?

von Redaktion

Geschichte der „Geothermie für die Gemeinde Schnaitsee“ eignet sich als Provinzposse

Schnaitsee – Vor zehn Jahren, im Frühjahr 2011, rollten die schweren Fahrzeuge zur seismischen Untersuchung durch das Inn-Alz-Gebiet zwischen Gars und Schnaitsee. Mit der 3D-Technik wurden optimale Bohrstellen für die Geothermie erkundet.

Vor zehn Jahren war auch der Optimismus des damaligen Schnaitseer Bürgermeisters Vitus Pichler groß. Er sagte damals: „Hier wird für eine umweltverträgliche Energie gesorgt. Außerdem werden wohnortnahe Arbeitsplätze geschaffen und die Wärmeversorgung erheblich verbessert.“

Pichler überzeugt
von Konzept

Heute, zehn Jahre später, ist Pichler immer noch von der Geothermie als Energiequelle überzeugt, „aber das war die falsche Firma. Ständig wechselnde Geschäftsführer und finanzielle Schwierigkeiten sagen das deutlich aus“, sagt er auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Von den Verantwortlichen, die später die Firma „Geo Kraftwerk Schnaitsee“ gründeten, war damals zu hören, dass die Kraftwerke im optimalen Fall 2014 in Betrieb gehen könnten. Seither hat sich diese Euphorie verflüchtigt. Bei der Standortsuche wurde nach langem Hin und Her eine Fläche bei Schmidham als dritte Wahl festgelegt. Die Grundstücke wurden gekauft – und das war es dann auch schon. In vielen Gesprächen gab es immer wieder große Ankündigungen seitens der Firma, Taten folgten nicht. Bei einer Bürgerversammlung 2012 hieß es beispielsweise: „Das geplante Kraftwerk, das ab 2015 mit Thermalwasser umweltfreundlichen Strom und Wärme erzeugt, könnte 3500 Haushalte in der Region versorgen. Die Future Water Energy GmbH wird das Kraftwerk realisieren, um die Region umweltfreundlich mit Strom zu versorgen.“ Immer wieder kamen Vertreter der Firmen ins Rathaus – mittlerweile zu Bürgermeister Thomas Schmidinger – und versprachen den nachhaltigen Weg. Als schon keiner mehr an eine Realisierung glaubte, wurde Anfang 2019 das Bergrecht „letztmalig für die FG Geothermie Schnaitsee bis zum 30. September 2019 verlängert.“ Im September hieß es in der Sitzung des Gemeinderates: Die Firma Geo Kraftwerk FG Schnaitsee hat die Verlängerung der bergrechtlichen Erlaubnis beantragt.

Hierzu gab die Gemeinde nach Abstimmung ihre Stellungnahme ab. Im Antrag hieß es, es bestehe enger Kontakt zur Gemeinde. Darüber kann die Gemeinde allerdings nur kopfschütteln, sämtliche Berührungspunkte hatten sich längst stark minimiert. Aus Sicht der Gemeinde lässt deshalb die „Glaubwürdigkeit der Angaben der Firma zu wünschen übrig“. Zu der Aussage, dass das Baurecht geregelt sei, schreibt die Gemeinde, dass sie dem Vorhaben nicht wie beschrieben positiv gegenüberstehe, sondern dass die Ansiedlung als problematisch angesehen werde.

Wärmeversorgung
wird kritisch gesehen

Auch eine zentrale Wärmeversorgung des Ortes Schnaitsee wird kritisch gesehen, war sich das Gremium einig. Seit September 2019 hat das Rathaus nichts mehr gehört von der FG Geothermie Schnaitsee, erklärt Bauamtsleiter Josef Pfenninger.

Das Grundstück bei Schmidham liegt einstweilen still da, als lasse es im Sommer Gras über die Sache wachsen und habe jetzt im Winter eine gnädige weiße Schneedecke drauf. Der Schnee verdeckt auch die zerfallene Hinweistafel, die aussagen sollte, dass die Gemeinde Schnaitsee mit der Geothermie grundlastfähige Energie bekommt.

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