Grenzüberschreitende Marien-Wege

von Redaktion

Euregio Inntal will uralte Pilgerpfade wiederbeleben und zu Netzwerk verknüpfen

Inntal/Kufstein – Bewusst die Natur wahrnehmen, die Ruhe spüren. Walter J. Mayr, Präsident der Euregio Inntal, schwört auf die Wirkung des Pilgerns. Für ihn ist Wandern wie eine Therapie. Mit Leidenschaft hat er sich deshalb einem Thema verschrieben: den Marien-Wanderwegen. 2018 hat es sich der Verein „Euregio Marien-Wege Maria be-weg-t“ zur Aufgabe gemacht, bestehende, teils alte Wege aus unterschiedlichen Regionen grenzüberschreitend zu einem Netz zu verweben.

Mittlerweile sind die Pilgerführer für sechs Wege gedruckt worden. Der Rundweg „M6“ ist laut Mayr Ende letzten Jahres fertig geworden. Pünktlich zum Marienmonat Mai wurde dazu eine Webseite (www.euregio-marienwege.eu) gelauncht und mit Infos rund ums Pilgern und den Marien-Routen bestückt.

Kein Anfang
und kein Ende

Alle sechs Rundwege zusammen umfassen insgesamt knapp 1000 Kilometer, erklärt Mayr. Ausgangs- und Endpunkt aller Routen markiert der Marienbrunnen in Kufstein. Auf den zugewandten Stufen des Brunnens seien der Name „Maria“ und die Zeichen Alpha und Omega eingemeißelt worden. Da aber alle Wege als Rundwege konzipiert wurden, gebe es eigentlich kein Anfang und kein Ende: „Man kann von seinem Heimatort die Wanderung beginnen und auf verschiedenen Varianten wieder zurückkehren“, schildert der 77-Jährige.

Die Wege führen durch die Tiroler Bezirke Kufstein und Kitzbühel, die bayerischen Landkreise Miesbach, Rosenheim und Traunstein, die Stadt Rosenheim sowie das Salzburger Saalachtal.

Überall dort befinden sich Wallfahrtsorte, darunter beispielsweise Maria Eck, Maria Klobenstein, Maria Kirchental, Maria Birkenstein oder Mariastein. Seit Jahrhunderten pilgern die Menschen „kreuz und quer“ zu diesen Kraftorten. Mayr, nach eigenen Angaben selbst ein begeisterter Wanderer, möchte mit diesem Projekt Einheimischen und Gästen die Möglichkeit bieten, die Region neu zu erkunden: „Ich habe festgestellt, dass nicht jeder alle Orte kennt.“

Der erste Pilgerführer – „M1“ – wurde über ein Interreg-Programm gefördert sowie über Förderbeiträge des Landratsamts Rosenheim, der Stadt Rosenheim, des Landratsamts Traunstein sowie durch Mitgliedsbeiträge finanziert. Die restlichen Rundwege wurden durch Werbeeinschaltungen mitfinanziert, erklärt Mayr.

Mithilfe von Gemeinden wurden auf den gelben Wegehinweis-Schildern teilweise schon Aufkleber angebracht, um die Euregio-Marien-Wege auszuzeichnen. Noch stehen allerdings einige Wege aus: „Für die Akzeptanz der Wege wäre es aber wichtig, dass alle ausgezeichnet sind“, macht Mayr deutlich.

Ihn hätten schon viele positive Rückmeldungen erreicht. Viele seiner Bekannten hätten sich schon auf den Weg gemacht, die heiligen Orte zu besuchen.

Christina Pfaffinger, Leiterin des Tourismusverbands Chiemsee-Alpenland, ist ebenfalls ein Fan von den Rundwegen: „Gerade das Bewegen an der frischen Luft und die Suche nach sinnhaften Erlebnissen stehen nicht erst seit Corona ganz oben auf der Beliebtheitsskala unserer Gäste. Und so sind die Marien-Wege nicht nur im Marienmonat Mai ein ideales Ziel. Sie verbinden herrliche Landschaften mit besinnlichen Momenten. Eine Bereicherung für unsere Urlaubsregion Chiemsee-Alpenland.“

Routen sind
leicht bis mittelschwer

Die Routen seien leicht bis mittelschwer, erklärt Mayr. Um aber als Pilger zu gelten, sollte man mindestens 85 Kilometer zurückgelegt haben. Beantragt werden könnten auch Pilgerpässe. Stempel werden bei den umliegenden Tourismusverbänden, Gemeinden oder Pfarrämtern verteilt. Im Moment sei Mayr noch dabei, die Pfarreien und Klöster anzuschreiben, um sie auf die Marien-Wege aufmerksam zu machen.

Hubert Wildgruber, ehemaliger Bürgermeister von Oberaudorf und Vizepräsident der Euregio Inntal, pilgert seit Jahren von Oberaudorf nach Maria Birkenstein. Für ihn sei Wandern „Entschleunigung“. Wenn er die Zeit finde, möchte er wieder mehr Routen abgehen – und dabei die Natur auf sich wirken lassen.

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