„Jetzt ist die Politik dran“

von Redaktion

Verkehrsgutachten verdeutlicht Belastung von Neubeuern und Nußdorf durch Lkw

Nußdorf/Neubeuern – Nußdorf und Neubeuern versuchen, sich gegen den Lkw-Ausweichverkehr, der sich aufgrund der Blockabfertigung durch die beiden Orte zieht, zu wehren. Aufgrund der Belastung für die Bevölkerung haben die Marktgemeinde Neubeuern und die Gemeinde Nußdorf am Inn das Büro für Verkehrs- und Raumplanung in Innsbruck mit der Erstellung eines verkehrstechnischen Gutachtens beauftragt.

Um die Bevölkerung zu informieren, wurde dieses Gutachten in der Beurer Halle in Neubeuern unter Federführung des Ersten Bürgermeisters Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer), der Ersten Bürgermeisterin Susanne Grandauer (CSU/FWG) aus Nußdorf am Inn und des Zweiten Bürgermeisters Wolfgang Sattelberger (CSU) aus Neubeuern von Ingenieur Klaus Schlosser vom Büro für Verkehrs- und Raumplanung präsentiert.

Hoffen auf
Unterstützung

Dipl.-Ing. Schlosser erläuterte, dass im Rahmen eines verkehrstechnischen Gutachtens die Auswirkungen des Lkw-Ausweichverkehrs auf die beiden Gemeinden Neubeuern und Nußdorf am Inn beurteilt und die Möglichkeiten für ein Fahrverbot für Lkw ab 7,5t untersucht werden sollte. Das Untersuchungsgebiet erstreckte sich über die Gemeinden Rohrdorf, Neubeuern, Nußdorf am Inn sowie Flintsbach am Inn und betrifft den Verlauf der Staatsstraße St2359 auf einer Länge von 10,6 Kilometern zwischen der Anschlussstelle Brannenburg der A 93 und der Anschlussstelle Rohrdorf der A 8 sowie der Kreisstraße RO 1 auf einer Länge von 5,2 Kilometern.

Um die Verkehrssituation an der Staatsstraße St2359 und an der Kreisstraße RO 1 detailliert beurteilen zu können, wurden von Montag, 14. Februar 2022, bis Montag, 28. Februar, in einem Zeitraum von zwei Wochen mit insgesamt drei Tagen Lkw-Dosierung ergänzende Querschnittszählungen mit Radarzählgeräten durchgeführt.

Die Annahme, dass es aufgrund der Blockabfertigung für den Lkw-Verkehr Richtung Süden, die von den österreichischen Behörden kurz nach der Landesgrenze auf der Inntal-Autobahn durchgeführt wird, zu einer Verlagerung von Lkw-Fahrten auf das untergeordnete, parallel zur A 93 östlich des Inns verlaufende Straßennetz kommt, wird durch die Ergebnisse der durchgeführten Verkehrszählungen bestätigt.

An den drei Montagen mit Blockabfertigung wurden auf der Staatsstraße Richtung Süden durchschnittlich 108 Lkw mehr, ein Plus von 65 Prozent, erfasst. Auf der Kreisstraße Richtung Süden wurde in dieser Zeit der Blockabfertigung durchschnittlich 47 Lkw mehr, ein Plus von 64 Prozent, erfasst.

Das zeigt, dass die Belastung des Lkw-Verkehrs an solchen Tagen über dem Durchschnitt liegt. Die Ortsdurchfahrt von Neubeuern hat eine Steigungs- beziehungsweise Gefällestrecke von rund 14 Prozent und weist gerade in diesem Bereich eine Engstelle auf.

In der Gemeinde Neubeuern ist etwa im Ortsteil Altenbeuern ein erhöhter Querungsbedarf gegeben, da sich Wohnungen und wesentliche Einrichtungen wie Gastronomie, Kirche und Friedhof, Altenheim sowie Geschäfte des täglichen Bedarfs beidseits der St2359 befinden.

Zudem befindet sich der durchgehend bis in das Ortszentrum von Neubeuern und damit auch zur Schule verlaufende Gehsteig auf der westlichen Straßenseite. In der Gemeinde Nußdorf am Inn ist vor allem im Kreuzungsbereich von St2359 und RO 1, aber auch generell für den gesamten Bereich zwischen dem Mühltalweg, die Straße zum Kindergarten, und der Dorfstraße ein hoher Querungsbedarf gegeben. Nußdorf ist durch die beiden Straßen geteilt und die verschiedenen Nutzungskategorien befinden sich östlich und westlich davon.

Die Bestandsanalyse hat gezeigt, dass in den Siedlungsschwerpunkten der Gemeinden Neubeuern und Nußdorf am Inn Gehsteige vorhanden sind, in Nußdorf sogar durchgehend auf beiden Straßenseiten. Vor allem in der Gemeinde Neubeuern ist aber aufgrund der räumlichen und topografischen Gegebenheiten nur in wenigen Bereichen beidseitig der St2359 die Führung eines Gehsteiges möglich und es ist in der Folge von einem dementsprechend hohen Querungsbedarf auszugehen. Eine den Anforderungen der Verkehrssicherheit entsprechende Querung ist in Neubeuern jedoch nur an einer Stelle möglich, ebenso in Nußdorf am Inn.

Für beide Straßen ist anzumerken, dass die für den Begegnungsfall Lkw/Lkw insbesondere an den relevanten Querschnitten ungeeigneten Abmessungen, auch für den Begegnungsfall Lkw/Pkw grundsätzlich als ungünstig zu erachten sind. Empfohlen wird daher die Verordnung einer Verkehrsbeschränkung, die Nutzfahrzeuge mit einer Gesamtmasse von mehr als 7,5 t verbietet.

Heftige Diskussion
nach Präsentation

An die Präsentation schloss sich eine rege und äußerst kritische Diskussion an. Auf den Hinweis eines Bürgers, dass diese Probleme auch für Brannenburg gelten und an der Autobahn-Anschlussstelle auch Rettungsdienste Probleme haben, entgegnete Dipl.-Ing. Schlosser, dass bereits ein neuer Antrag für ein Gutachten für das westliche Inntal eingegangen sei.

Beklagt wurde von den Zuhörern vor allem, dass die Bedürfnisse der Bewohner, die unter dem Lärm und den Abgasen leiden, vonseiten der entscheidenden Behörden zu wenig berücksichtigt werden. „Jetzt ist die Politik dran“ und „Das Landratsamt lässt die Bevölkerung im Stich“ waren Einwürfe, die durch Applaus bekräftigt wurden.

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