„Entscheidend ist der Mensch“

von Redaktion

Rohrdorf nahm Abschied von Ex-Bürgermeister Christian Praxl (65)

Rohrdorf – „Es kommt nicht auf das Amt, die Funktion an. Entscheidend ist der Mensch, der dahintersteht.“ Das sagte Bürgermeister Simon Hausstetter beim Abschiedsgottesdienst für Christian Praxl, seinen Vorgänger. Er fuhr fort: „Die Rohrdorfer werden Christian Praxl als jemand in Erinnerung behalten, bei dem der Mensch nicht nur ab und zu hinter dem Amt erkennbar war, sondern als einen, der auch in seiner Funktion ganz und gar Mensch blieb.“

Bei Christian Praxl hieß das, dass er sich auch während des Amtes als Bürgermeister ein waches Auge und ein offenes Herz für seine Mitmenschen bewahrte. Wer immer ein Problem hatte, konnte zu ihm kommen und sicher sein, dass ihm zugehört, dass er tatsächlich wahrgenommen würde. Sicher sein auch, dass Christian Praxl den Fall nicht mit dem Abschluss des Besuchs als erledigt abhaken würde. Sondern sich der Angelegenheit, so irgend machbar, auch tatkräftig annähme.

Zugänglich, nahbar
und aufgeschlossen

Und in den Fällen, wo dies nicht möglich war, das auch offen und ohne falsche Vertröstungen sagen würde. Als zugänglich, nahbar und aufgeschlossen, dabei geradlinig, so erlebten ihn nicht nur die Bürger, so erlebten ihn auch die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung.

Für die Belange anderer ein stets solch offenes Ohr und Herz zu haben, ist nicht selbstverständlich bei einem Menschen, der, wenn es um ihn selbst ging, zu geradezu kompromissloser Härte und Selbstdisziplin fähig war. Anders hätte er den Widerstand gegen die heimtückische Krankheit, der er am Ende erlag, nicht so lange erfolgreich aufrechterhalten können. Viele andere hätten wohl von vornherein aufgegeben. Nicht aber Christian Praxl.

Denn er war ein Kämpfer, dabei einer von der seltenen Sorte, die, wann immer möglich, nicht gegen etwas kämpfen, sondern für etwas. Es ging ihm eben nicht nur um das Anprangern von Missständen, sondern auch um den Versuch, sie positiv zu verändern. Ein Bemühen, das nur gelingen kann, wenn man die Gabe hat, bei Diskussionen, Streitfällen gar, immer auch den Kern eines möglichen Konsenses wahrzunehmen und diese Chance auch den anderen zu vermitteln. Glaubhaft war er dabei vor allem deswegen, weil er selbst ebenfalls bereit war, über gegenteilige Ansichten ernsthaft nachzudenken und eigene Irrtümer offen zuzugeben. So erlebten ihn nicht nur seine Mitarbeiter in der Verwaltung, sondern auch die Angehörigen der Gemeinderäte, denen er in seiner zwölfjährigen Amtszeit als Bürgermeister vorstand.

Auch im Konflikt den möglichen Ausgleich nie außer Augen verlierend – das war Christian Praxl. Nur in einem Punkt war er absolut unbarmherzig: In seinem Kampf gegen den Brenner-Nordzulauf. Er hielt ihn von Anfang an für ein völlig widersinniges und ganz und gar ungerechtfertigtes Projekt, tat dies schon Mitte des letzten Jahrzehntes, als er wegen seiner kompromisslosen Gegnerschaft zum Teil auch bei seinen Bürgermeisterkollegen auf Unverständnis stieß. Christian Praxls Ingrimm gegen das Projekt wurde mit den Jahren aber nur stärker: Er unterstellte der Politik auf höheren Ebenen völlige Blindheit gegenüber der unnötigen Zerstörung eines ganzen Lebensraumes, sah darin immer öfter nicht nur bloßes Versagen, sondern sogar Methode. Hier nicht aufgegeben, sondern den Widerstand des Ortes angeführt zu haben, ist ein wesentliches Vermächtnis Christian Praxls, wie immer das Vorhaben am Ende auch ausgehen mag.

Widerstand erwuchs
aus Liebe zur Heimat

Sein Widerstand erwuchs aus der Liebe zu seiner Heimat und den Menschen, die sie bevölkern. Und auch das ist mehr als nur ein bloßes Wort: Sein lebendiges Engagement für alle Vereine in allen Ortsteilen Rohrdorfs beweist es – er war bei Festen und Veranstaltungen nicht nur einfach kraft Amtes anwesend, er war wirklich „da“ – nicht zuletzt dann, wenn es galt, Schwierigkeiten tatkräftig einer Lösung zuzuführen.

Auf seinen Wunsch war bei dem Abschiedsgottesdienst ein Lied von Hubert von Goisern zu hören, gesungen vom Bürgermeisterchor, in dem es im Refrain heißt „Weit, weit weg“. Christian Praxl aber ist für die Rohrdorfer nicht weit, weit weg, er bleibt in Erinnerung und das nicht nur als Bürgermeister, sondern vor allem auch als Mensch.

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