Prutting – Plötzlich auftauchende Probleme brauchen idealerweise schnelle Lösungen. Wenn dazu aber Geld benötigt wird, zieht es sich meist. Denn gerade, wenn eine Kommune helfen will, stellt sich eine fast unüberwindliche Hürde: Aus welchem Haushaltstopf sollte das Geld kommen und vor allem, wie und wo wollte man die Zuwendung verbuchen – eine Haushaltsposition für „spontane Hilfeleistungen“ gibt es eben nicht.
In Prutting hat man nun den idealen Weg dafür gefunden – den einer Dorfstiftung, die „schnelle Gelder“ für schnelle Hilfe bereitstellen soll und kann. Egal ob es um hilfsbedürftige Einzelpersonen geht, um Kinder- und Jugendarbeit, Alten- und Behindertenhilfe, Umwelt- und Heimatpflege, Brand- und Katastrophenschutz oder die Unterstützung von Vereinen bei ihrer kulturellen und sportlichen Arbeit: Die Dorfstiftung soll so etwas wie die „finanzielle Feuerwehr“ für die Pruttinger Bürger und Vereine sein.
Und ganz wie bei der richtigen Feuerwehr ist der Gedanke dahinter der, dass das Reden von Zusammenhalt und dem gegenseitigen Einstehen füreinander in einer Gemeinde schön ist, entsprechendes Handeln aber noch viel besser. „Mit der Dorfstiftung“, so sagt Bürgermeister Johannes Thusbaß, der die Idee dafür hatte, „wollen wir ein starkes Fundament für die Zukunft unserer Gemeinde setzen. Denn sie ist das deutliche Zeichen dafür, dass wir jetzt und in Zukunft Verantwortung füreinander übernehmen.“
Verantwortung übrigens, die nicht an den eigenen Gemeindegrenzen Halt machen wird: „Natürlich ist die Stiftung in erster Linie für Unterstützung innerhalb der Gemeinde gedacht“, sagt Thusbaß. „Aber wenn in den umliegenden Gemeinden einmal ernsthaft Not am Mann sein sollte, werden wir uns ganz sicher nicht verschließen“.
Das Besondere an dieser Idee: Die Dorfstiftung ist als Treuhandstiftung angelegt und unter dem Dach der „Bürgerstiftung Rosenheimer Land“ angesiedelt.
Diese Bürgerstiftung ist von der meine Volks- und Raiffeisenbank vor genau 20 Jahren gegründet worden, um lokalen Stiftungen einen Rahmen zu bieten, der diese nicht zuletzt von bürokratischem Aufwand befreit. Denn durch die Form der Treuhandstiftung können die einzelnen Stiftungsakteure ohne eigenen Jahresabschluss und ohne Wirtschaftsprüfer auskommen – das alles wird vom Treuhänder, eben der Bürgerstiftung Rosenheimer Land übernommen.
Und noch einen großen Vorteil gibt es: Die meine Volks- und Raiffeisenbank trägt 25.000 Euro zum Grundkapital der Stiftung bei, das mit dem Anteil der Gemeinde dann insgesamt schon bei 50.000 Euro liegt.
Bürgermeister Johannes Thusbaß ist überzeugt, dass es bei dieser Summe nicht bleiben wird, sondern dass es von den Bürgern aber auch den Firmen und Vereinen in der Gemeinde immer wieder Zustiftungen geben wird.
Wofür das Geld eingesetzt wird, entscheidet ein fünfköpfiger Stiftungsrat, bei dem drei Mitglieder aus der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat kommen – auch hierbei das Ziel, schnell helfen zu können, ohne vorher lange Verwaltungswege beschreiten zu müssen. Denn ganz neu in der Geschichte der Bürgerstiftung Rosenheimer Land ist, dass es sich bei der Pruttinger Stiftung nicht um eine Stiftung von Einzelpersonen oder -akteuren handelt. In Prutting steht ein ganzes Dorf dahinter, um unkompliziert und auf Dauer für alle Bürger und Vereine da zu sein.Johannes Thomae