CO2-neutral mit Sonne, Sanierung und Pumpe

von Redaktion

Kommunale Wärmeplanung der Gemeinde Frasdorf: Erhellender Zwischenstandsbericht

Frasdorf – Es gibt ungenutztes Dachflächen-Photovoltaik- und Freiflächen-Photovoltaik-Potenzial, Luft nach oben bei der Gebäudesanierung und ein Ausbaupotenzial für das bestehende Fernwärmenetz der MW-Biomasse. Dieses Fazit zogen bei einer Präsentation in der Lamstoahalle Alexander Siebold und Stephan Kittke von dme consult sowie Sebastian Gottschalk von netcad Service vor zahlreichen Bürgern.

Monatelang Bestand
festgehalten und analysiert

Im September vergangenen Jahres gab es grünes Licht seitens der Gemeinde. Zuerst hatte das Projektteam den Bestand zum Wärmebedarf und zur Versorgungsinfrastruktur analysiert, Einsparpotenziale, lokal verfügbare Potenziale wie Erdwärme, Abwärme, Photovoltaik (PV) und Solarthermie untersucht und den zukünftigen Strombedarf ermittelt. Der Gesetzgeber habe diese Aufgabe vorgegeben, sagte Kittke. Ziel sei es, 2040 CO2-neutral in Gebäuden Wärme zu erzeugen.

Bis dahin müssen Eignungsgebiete für Wärmenetze und Einzellösungen identifiziert und Zwischenschritte für die Jahre 2030, 2035 und 2040 definiert sein. Gottschalk erläuterte dann, wie man den Bestand analysiert habe. Nach 14 Rückmeldungen von Eigentümern und Gewerbetreibenden sowie dem Einlesen von LOD2-Daten (3D-Gebäudedaten), ALKIS (amtliches Liegenschaftskataster), Kehrbuchdaten vom Kaminkehrer, Bebauungsplänen, Zensusdaten 2022 sowie Daten von Versorgern und der Gemeinde seien insgesamt 995 relevante Gebäude (davon 887 Wohngebäude) auf einer Gesamtfläche von 263.732 Quadratmeter identifiziert worden. Der gesamte Wärmebedarf dafür: 50,42 GWh pro Jahr – davon entfallen 41,35 GWh pro Jahr auf Wohngebäude. Der Endenergieverbrauch pro Einwohner in der Gemarkung Frasdorf beträgt circa 4.390 kWh pro Jahr, das ist leicht unter dem bundesweiten Verbrauch.

Der fossile Anteil bei den Energieträgern: 60,4 Prozent des Gesamtbedarfs, davon entfallen 55,72 Prozent auf Heizöl. Der gesamte CO2-Ausstoß: 8.693 Tonnen pro Jahr, pro Einwohner sind das 2,9 Tonnen pro Jahr – immerhin 1,4 Tonnen weniger als im Bundesschnitt.

Projektleiter Siebold resümierte: Es gibt eine hohe Anzahl an Gebäuden mit hoher Baualtersklasse (rund 53 Prozent sind älter als 1980), einen hohen Bedarf an Gebäudesanierung, ein geringes Interesse an Energieberatung und eine hohe Anzahl von Öl-Heizungen. Um hier gegenzuwirken stellte Siebold mehrere Maßnahmen vor. Bei PV auf Dachflächen und bei PV-Freiflächenanlagen könne man viel rausholen. Bei PV-Freiflächenanlagen könne man mit einem Ausbau sogar auf 151 Prozent kommen. Der Windkraft erteilte der Energiefachmann eine Absage, derzeit gebe es kein explizit ausgewiesenes Potenzial für Windkraft. Geothermie und Biogas seien nicht möglich, Biomasse hingegen schon mit einem Potenzial. Bei Wasserkraft hingegen sei das Maximum erreicht.

Dennoch gibt es für Frasdorf gute Voraussetzungen, um CO2-Emissionen zu reduzieren, eben mit mehr PV auf Dach- und Freiflächen, durch Gebäudesanierungen und einen möglichen Ausbau des Fernwärmenetzes der MW-Biomasse.

Die Nachfragen aus den Reihen der Zuhörer betrafen Gas und Öl („der Preis wird es letztendlich regeln“, so Kittke) und den Einbau von Wärmepumpen in ältere Häuser. Warum nicht über eine Hybridlösung wie beispielsweise Gas und Wärmepumpe nachdenken, regte Kittke an.

Einer Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden erteilten die Energieberater eine Absage. Kommunale Wärmeplanung sei ortsspezifisch. Da gebe es kein Einheitsrezept, und es müsse wirtschaftlich sein.

Fokusgebiete und
Maßnahmen vorschlagen

Wie geht es weiter? Die Energieberater werden Fokusgebiete festlegen und untersuchen, ebenso, wie man diese Gebiete versorgen könnte, Maßnahmen vorschlagen und das Zielszenario und eine Umsetzungsstrategie formulieren. Das alles unter Beteiligung der Bürger: „Die Präsentation stellen wir ins Netz,“ ergänzte Bürgermeister Daniel Mair an dieser Stelle. Nach der Fertigstellung des Kommunalen Wärmeplans wird der Gemeinderat diesen abschließend prüfen. Im dritten Quartal diesen Jahres soll alles stehen.

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