Übersee – Die Erfahrungen aus den letzten Chiemsee-Festivals zeigen der Polizei zufolge: „Es ist alles in allem ein friedliches Beisammensein von 20000 bis 25000 Besuchern auf engstem Raum. Diese zu schützen, ist unsere Aufgabe“, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Andreas Guske. Dazu trage eine hohe Polizeipräsenz bei. So werde man wie in den Vorjahren auf einem von einer Firma zur Verfügung gestellten Gelände ein kleines „Container-Dorf“ aufbauen. Hier befindet sich dann die Einsatzzentrale unter der Regie des Traunsteiner Dienststellenleiters Rainer Wolf. Ebenfalls aus Traunstein kommen die Mitarbeiter des Jugendamtes, die zusammen mit den Jugendbeamten der Rosenheimer Polizeidienststelle im Festbereich bei ihren Rundgängen gezielt Jugendliche ansprechen, unter anderem zum Thema: Seid Ihr alt genug, um hier zu feiern? Braucht´s Hilfe? Das könne der Fall bei Alkoholgenuss sein oder aber auch bei unangenehm empfundenen Begegnungen. Die Maßnahme hat sich bereits bewährt. Das Sicherheitskonzept, in Jahrzehnten aufgebaut und entwickelt, war laut Andreas Guske auch schon Gegenstand einer Studie und ist beispielhaft für Konzepte von Veranstaltern anderer Festivals in der Republik. Letztlich aber gelte für die Besucher: „Jeder muss auf sich selbst aufpassen, auch auf seine Freunde und sein Eigentum.“ Der meist uncoole und verpönte „Brustbeutel“ als Utensil für Geldbörse und Papiere sei hier nur zu empfehlen, so der Polizeisprecher. Denn: „Lange Finger“ gebe es immer wieder, als Polizei habe man in den vielen Jahren schon alles erlebt: Blitzschlag, Räumung wegen Starksturms, Taschendiebe. Aber: Auf Krawall gebürstete Besucher hatte es nicht gegeben.
Was aber hat es nun mit dem Panama-Spruch auf sich? Der Satz sei in der Szene bekannt, weiß Andreas Guske. Wer sich zum Beispiel bei einem Barbesuch belästigt oder bedroht fühlt, aber keine offizielle Hilfe rufen oder sich näher erklären will, spricht den Wirt oder Security-Kräfte an: „Wo geht´s nach Panama?“ – und erhält Beistand. So funktioniert das erstmalig auch auf dem Chiemsee-Festival.
In einer Pressemitteilung der CRP Konzert-Agentur erläutert diese: „ Oft ist das Gefühl einer Bedrohung oder Belästigung nur schwer greifbar.“ Zudem wolle oder könne sich nicht jeder einem Fremden anvertrauen und erklären, warum genau Hilfe nötig sei. Beim Chiemsee Summer reiche es, die Frage „Wo geht’s nach Panama?“ an Festival-Mitarbeiter zu richten, die aufgrund der Infrastruktur des Festivals meist in direkter Nähe sei. Die Helfer können Sicherheitskräfte sein, Sanitäter und Festivaljobber (oder die Polizei). Auch die Bars sind laut Agentur in dieser Hinsicht involviert.
Erkennbar sind die „Panama-Kenner“ an einem grün-violetten Armband mit dem Schriftzug Panama. Sie bringen die Hilfesuchenden ohne weitere Fragen und sofort an einen sicheren Ort. Was dann geschieht, etwa ob die Polizei weiterhilft oder nur eine kleine Pause nötig ist, entscheidet der Betroffene.