Rosenheim − Die Kleine nölt seit einer Stunde, weil sie heute partout Toast zum Frühstück möchte. Der Große ist weder mit gutem Zureden noch mit Schimpfen von seinem Smartphone wegzukriegen, obwohl er für die Schule arbeiten sollte. Und eigentlich wartet der Chef seit geraumer Zeit auf einen Rückruf. Was tun in einem solchen Moment, den in diesen Tagen viele kennen? Der Rat von der Therapeutin Monika Bacher ist ebenso ungewöhnlich wie einfach: Aufs Klo gehen. In solchen Augenblicken, so erklärt sie, in denen man am liebsten schreiend um sich schlagen möchte, sei Zeit und damit Abstand zu gewinnen das Wichtigste. Das Bad aber ist in einer Familie oft der einzig allgemein akzeptierte Rückzugsort.
Unerwartet ist nicht nur der Rat an sich, sondern auch der Ort, an dem man ihn findet: auf der Homepage der Kinder-, Jugend- und Familienberatung der Caritas Rosenheim. Dort finden sich kleine gesprochene Beiträge – sogenannte Podcasts – die Praxistipps für die derzeitigen Lebensumstände geben sollen. Praxistipps im wahrsten Wortsinn, denn nach dem Willen von Fachdienstleiter Manfred Jahn, der die Idee dazu hatte, sollen die Ratschläge möglichst direkt aus dem Alltag kommen, sozusagen von Betroffenen für Betroffene. Auf die Idee ist man bei der Beratungsstelle der Caritas über die Erfahrungen gekommen, die man mit den Online-Beratungsangeboten gemacht hat. Angeboten werden hier moderierte Gruppenchats ebenso wie eine direkte Mailberatung und die Resonanz, so Manfred Jahn, ist enorm.
Die Themen der Podcasts sind deshalb auch breit gestreut, in den ersten drei Beiträgen, die sich auf der Seite finden, kommen neben der Therapeutin Monika Bacher auch der 17-jährige Laurin und die 21-jährige Sophia zu Wort: Sie erzählen, wie sie für sich selbst einen Weg gefunden haben, ihrem Tagesablauf in diesen eher unbestimmten Zeiten eine feste Struktur zu geben. Johannes Thomae