Mit Polizei-Eskorte zur Schule

von Redaktion

Stau-Wahnsinn im Inntal – Busunternehmer kämpft gegen den Ausweichverkehr

Rosenheim/Brannenburg – Auf diese exklusive Begleitung hätte Kurt Margreiter wahrscheinlich gerne verzichtet. Mit Polizei-Eskorte brachte der Busunternehmer aus Nußdorf die Schüler zum Schulzentrum in Brannenburg. Grund für die Fahrt unter Führung der Polizei: die Riesen-Staus am Dienstag im Inntal. „Dank der Polizei konnten wir auf der Gegenfahrbahn an den stehenden Lastwagen vorbeiziehen“, sagt Margreiter.

Er ist nicht der einzige im Inntal, der am Chaos durch die Blockabfertigung auf Tiroler Seite leidet. Aber er will die anarchischen Zustände nicht mehr dulden. In einem Brief wendet sich Margreiter nunmehr an Landrat Otto Lederer. Dessen Behörde könnte doch eine „aktivere Rolle“ spielen, findet Margreiter. Er fordert Transitverbote.

Die allerdings sind, wie eine Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen ergab, nicht im Sinne von Otto Lederer. Der Landrat setze auf Gespräche, falls die nicht fruchteten, könne eine Klage nicht ausgeschlossen werden, sagte Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes.

Für den Ausweichverkehr würden zudem überwiegend Staatsstraßen genutzt. Und: „Nach den geltenden Regelungen der Straßenverkehrs-Ordnung kann die Untere Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt bestimmte Verkehrsgruppen nicht von überörtlich bedeutsamen Straßen ausschließen.“

Wie aber geht es weiter? Anlass für das aktuelle Schreiben an Otto Lederer waren die chaotischen Zustände während der Blockabfertigung am Dienstag. Wie viele andere Fahrzeuge ging auch für Schulbusse auf bestimmten Abschnitten im Inntal nichts mehr. Weil zwischen Nußdorf und Brannenburg Laster alles blockierten. Es war Chaos mit Ansage. Tirol hatte für den Dienstag mal wieder Blockabfertigung verhängt, weil der Montag in Italien ein Feiertag mit Fahrverbot gewesen sei. Die blockweise Abfertigung, die Tirol mit der notwendigen Steuerung und Dosierung des Güterverkehrs begründet, hatte zur Folge, dass auf der A93 schon früh am Morgen der Verkehr stockte. „Und dann versuchen eben immer wieder Lastwagenfahrer, die aus Richtung München oder Salzburg her kommen, ein Stück Stau auf der Autobahn abzuschneiden. Die wollen sich eine halbe Stunde Zeit sparen, indem sie schon in Bad Aibling oder Rohrdorf von der A8 abfahren“, sagt Margreiter. Meist vergebene Liebesmüh: In Brannenburg geht auch nichts mehr. Und auf der anderen Seite des Inns blockieren die Österreicher –mit einer Tonnagebeschränkung in Erl.

Die Zustände seien jedenfalls nicht mehr tragbar. „Immer wieder sieht man Lastwagenfahrer, die dann mitten auf der Straße wenden wollen und manchmal sogar über den Gehsteig fahren“, berichtet Margreiter. Beobachtungen, die andere bestätigen. Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch äußert Verständnis für Radfahrer, die auf dem Gehsteig fahren, „weil sie Angst vor den Lastwagen haben“. Und Nußdorfs Bürgermeisterin Susanne Grandauer erlebt immer wieder Tage, an denen wegen des Verkehrs die Überquerung der Straße fast nicht möglich ist.

Eben deswegen fordert Kurt Margreiter Verbotsschilder für den Transitverkehr. Das kenne man von Nachbarländern her, sagt er. Und auch in Deutschland gebe es das, „nur nicht bei uns.“ Beziehungsweise: nicht ausreichend, und nicht an den richtigen Stellen. Ein Verbotsschild für Laster über 7,5 Tonnen steht zum Beispiel am südlichen Ortsausgang von Nußdorf in Richtung Erl. Die Lastwagenfahrer sehen es, nachdem sie Neubeuern und Nußdorf passiert und „so gut wie keine Umkehrmöglichkeit mehr haben“, klagt Margreiter.

Auch Susanne Grandauer ist dringend für eine Tonnagebeschränkung. Sie sei „absolut unglücklich“ mit den Zuständen. Ob es aber ein Brief mit einer Aufforderung an den Landrat richten kann? Seit Jahren schon bemühe sich unter anderen Nußdorf darum, beim Landratsamt oder der Staatsregierung mit dem Wunsch nach Verboten durchzudringen. „Aber bislang sind wir immer auf verschlossene Ohren gestoßen“, sagt sie. Weil Land- und Staatsstraßen für Verkehr aller Art frei bleiben müssten. Die Österreicher machten das anders, wie man in Erl sehe.

Um für die nächsten Runden besser gewappnet zu sein und eine bessere Grundlage für ihre Argumente zu haben, haben Neubeuern und Nußdorf – wie mittlerweile auch Gemeinden auf der anderen Seite des Inns – gemeinsam ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben. In Kürze soll es im Gemeinderat vorgestellt werden,

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