Die Region Rosenheim wachrütteln

von Redaktion

Ruhig war es zuletzt um die Bürgerinitiativen gegen den Brenner-Nordzulauf geworden. Am 3. Oktober soll sich das ändern, die Rohrdorfer laden zur Demo gegen die Planungen der Deutschen Bahn ein. Dabei setzen sie auf massive Unterstützung von technischem Gerät.

Rosenheim – Mitte September hatte die Bahn ihre Entscheidung bekannt gegeben: kein Tunnel für den Brenner-Nordzulauf auf Höhe von Stephanskirchen, eine Unterquerung spielt nach Worten von Projektleiter Matthias Neumaier in den Überlegungen der Bahn keine Rolle mehr. Die Reaktionen von Politikern aus der Region auf diese Entscheidung waren geharnischt ausgefallen.

Besondere
Maschinen im Einsatz

Nun soll der Protest weitergehen, für den 3. Oktober lädt die Bürgerinitiative Bürgerinteressen Rohrdorf zu einer „Wachrüttel-Demo“ gegen den Brenner-Nordzulauf ein. Es wird sozusagen ein gerüttelt Maß an Protest geben. Mit massivem Maschinen-Einsatz: Die Veranstalter wollen mit einem guten halben Dutzend Rüttelplatten, wie man sie zum Verdichten einer Kiesschicht verwendet, lautstark protestieren.

Mit Lärm auf
Lärm hinweisen

Zweierlei hoffe man zu erreichen, sagt Jakob Opperer von der BI: Die Rüttelplatten sollen einerseits die Ausmaße der Neubaustrecke nahe Lauterbach verdeutlichen. Außerdem sollen sie mit ihrem Lärm auch „die Menschen aufrütteln“, wie Opperer sagt. „Denn auch der Bau der Trasse wird mit erheblichem Lärm verbunden sein.“

Der Demonstrationszug am Tag der Deutschen Einheit wird um 10 Uhr in Lauterbach (Gemeinde Rohrdorf) beginnen. Und zwar „mitten auf dem Dorfplatz“, wie Opperer mitteilt, „damit die Menschen auch sehen, dass Lauterbach ein intaktes Dorf ist.“ Nach kurzen Ansprachen soll es dann in Richtung Westen gehen, am Tennisplatz vorbei zu dem Gelände, das die Bahn für die Nordzulauftrasse auserkoren hat, und weiter zu dem Kreuz und dem Bäumchen, das vergangenes Jahr aus Protest gegen die Bahn-Planungen gepflanzt worden war.

Dass die angekündigte Demo so kurz nach der Entscheidung der Bahn gegen einen zweiten, nördlichen Tunnel unterm Inn stattfinden soll, sei eher Zufall, sagt Opperer. Auch seine Gastredner sehen keinen Zusammenhang. Prof. Dr. Roland Feindor, ein Kenner und Kritiker der Planung der ersten Stunde, sagt, dass ihn jede andere Entscheidung der Bahn überrascht, wenn nicht gar verwundert hätte. „Wenn man genau hinschaut, dann sieht man: Es geht gar nicht anders.“

Ein Tunnel nicht nur vorm Inntal, sondern auch weiter nördlich auf Höhe von Stephanskirchen hätte ihn ohnehin nicht überzeugt. Denn, so sagt es Feindor: Das ganze Projekt eines Gleis-Neubaus sei in ökologischer und finanzieller Hinsicht widersinnig. Und neuerdings auch rechtswidrig. Schließlich habe das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass bei allen Baumaßnahmen auf den Schutz des Klimas und der Umwelt geachtet werden müsse. „Die Emissionen aber, die beim Bau der Tunnel freigesetzt werden, können niemals durch eingesparte Lkw-Fahrten kompensiert werden.“

Fundamental gegen die Neubauplanungen wendet sich auch Rainer Auer. Auch er, Kreisvorsitzender vom Bund Naturschutz, wird am 3. Oktober in Lauerbach sprechen. „Der Verkehr muss auf die Schiene, da gehört er hin“, sagt er zwar. Aber er betont eben auch: „Man könnte das heute schon tun, auch ohne neu gebaute Gleise.“ Seine Forderung im Sinne des Naturschutzes: „Die Bestandsgleise ausbauen, außerdem den Verkehr neu überdenken: Muss wirklich alles sein, was da heute so umeinandtransportiert wird?“

Zuletzt war es um den Widerstand gegen die neuen Gleise ruhiger geworden. Nun, mit der Demo am 3. Oktober, tritt der Protest gegen den Brenner-Nordzulauf offenbar in eine neue Phase: Weg von Riesen-Veranstaltungen wie Lärmwelle und Lichterkette, hin zur gezielten Ansprache von möglichen Partnern in der Politik. Bevor die Bahn vergangenes Jahr ihre Vorzugstrasse Violett vorgestellt hatte, seien große regionale Protest-Veranstaltungen wichtig gewesen, sagt Jakob Opperer – man habe schlicht die Menschen in der Region Rosenheim aufwecken und sensibilisieren müssen.

Jetzt laden die Rohrdorfer zwar in Abstimmung mit Brenner-Dialog und Bürgerforum zu ihrer Demo ein, sie haben damit aber auch eine Art Arbeitsteilung im Blick. Thomas Riedrich, zu Beginn die Gallionsfigur des Protests gegen den Brenner-Nordzulauf, kümmere sich mehr um die Vernetzung mit Bürgerinitiativen in ganz Deutschland, sagt Opperer. „Wir hingegen wollen gezielt mit konkreten Argumenten auf Politiker zugehen.“

Mehr Verkehr
auf die Schiene

Zu seinen Adressaten zählt er die Grünen. Weil die sich doch den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hätten, wie Opperer sagt. Und weil die ihn mit ihrer Haltung pro neue Gleise dann so enttäuscht hätten: „Die verschanzen sich einfach nur hinter einem Parteitagsbeschluss.“ Man wolle im Prinzip dasselbe, sagt Opperer – mehr Verkehr auf die Schiene.

Bis zu 1000
Teilnehmer erwartet

Nur ob der Weg dorthin über neue Gleise in der Region Rosenheim führen muss, darüber lässt sich wohl noch länger diskutieren. Bei aller angestrebten Sachlichkeit und Ruhe in der Diskussion setzt Opperer dann doch auf ein deutliches Echo aus der Region Rosenheim: Er hofft auf 500 bis 1000 Teilnehmer bei der „Wachrüttel-Demo“.

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