„Tradition alleine bezahlt keine Löhne“

von Redaktion

Investor will Marke Haro retten

Stephanskirchen – Dass es dem Stephanskirchener Unternehmen Hamberger in den vergangenen Jahren nicht gerade gut ging, ist kein Geheimnis. Zu den bereits angehäuften Verlusten der Vorjahre (69,5 Millionen Euro) kam 2024 ein weiteres Minus von 22,5 Millionen Euro hinzu, wie aus dem Geschäftsbericht für 2024 zu entnehmen ist. Damit wuchs der gesamte Bilanzverlust auf 92 Millionen Euro an. Dies führte dazu, dass das Eigenkapital der Firma nun vollständig aufgezehrt ist und ein Fehlbetrag von 17,5 Millionen Euro in den Büchern verblieb.

Eine beträchtliche Summe – mit drastischen Folgen. Denn das Traditionsunternehmen gab kürzlich bekannt, dass es seine Bodenbelagssparte an den Münchner Private-Equity-Investor Mutares verkauft hat (wir berichteten). Der Abschluss des Verkaufs ist Hamberger zufolge für das zweite Quartal 2026 vorgesehen. Doch wie geht es dann weiter? Details, was mit dem Standort Stephanskirchen passiert und welche Auswirkungen der Verkauf auf die Arbeitsplätze in der Region hat, stehen noch nicht fest. Das erklärte Johannes Laumann, CIO (Chief Information Office) von Mutares, auf OVB-Anfrage.

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“

„In den ersten 100 Tagen werden wir gemeinsam einen detaillierten Maßnahmenplan erarbeiten und evaluieren“, erklärt Laumann. Dabei seien alle Denkanstöße und Richtungen erlaubt. „Unser Anspruch ist es, das Unternehmen nachhaltig und erfolgreich zu sanieren, sodass die wirtschaftlichen Ergebnisse wieder zur Stärke und Strahlkraft der Marke ‚Haro‘ passen.“ Mutares sehe bei Haro sowohl „operatives Verbesserungspotenzial in Prozessen und Strukturen als auch attraktive Wachstumsmöglichkeiten“. Letztere sehe man besonders im internationalen Geschäft, aber auch in den unterschiedlichen Produktgruppen.

Die Bodenbelagssparte von Hamberger produziert schließlich nicht nur Laminat oder Parkett. Auch Sportböden stehen beispielsweise im Portfolio. Details, auf welchen Bereich man sich künftig fokussieren möchte, nannte Laumann zunächst nicht. Er sagte lediglich: „Getreu dem Grundsatz ‚Schuster, bleib bei deinen Leisten‘ werden wir uns konsequent auf die Bereiche konzentrieren, in denen wir besonders stark sind, und diese weiter ausbauen.“ In Geschäftsfeldern, in denen sie nur durchschnittlich aufgestellt seien, „werden wir unseren Fokus entsprechend zurücknehmen.“

Über 150 Jahre lang war Hamberger – mit der Marke Haro – eines der größten Familienunternehmen in der Region. Doch wie will man den familiären und heimatverbundenen Ruf unter einem neuen Besitzer aufrechterhalten? Dazu hat Laumann eine eindeutige Antwort: „Haro ist ein traditionsreiches Familienunternehmen, das jedes Jahr Millionen Euro verbrennt – und Tradition allein bezahlt leider weder Löhne noch Lieferanten oder Abgaben. Daran sollten wir alle gemeinsam arbeiten.“ Zudem sei Mutares mit einem Management-Anteil von knapp 40 Prozent ein SDAX-Unternehmen, welches man sehr unternehmerisch und familiär zu führen versuche. Patricia Huber

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