Mühldorf/Erharting – Pfingstsonntag ist es wieder so weit. 18 Dirndl aus Erharting machen wieder eine Reise durch den Landkreis: zum Pfingstrosensammeln. Die 18 jungen Frauen gehören zur Erhartinger Dirndlschaft, die es seit einem Jahr gibt. Sie pflegen auch heuer wieder diesen alten Brauch, erklärt die Erste Vorsitzende Karin Manghofer.
Von Station zu
Station unterwegs
Das Pfingstrosensammeln ist ein Brauch aus Bayern, bei dem Dirndlgruppen an Pfingsten von Station zu Station zu verschiedenen Burschengruppen oder privaten Gastgebern fahren. Die jungen Männer laden die Frauen zuvor ein – teils noch ganz traditionell mit handgeschriebenen Briefen. Vor Ort wird dann gemeinsam gefeiert, gegessen und angestoßen, bis es zur nächsten Station weitergeht. So ziehen die jungen Damen den ganzen Tag durch mehrere Orte der Region. Ursprünglich war der Brauch eine Gelegenheit für unverheiratete Frauen und Männer, miteinander in Kontakt zu kommen. Die Burschen überreichten den Frauen dabei Pfingstrosen als Zeichen der Zuneigung. Am Morgen des Pfingstsonntags bereitet sich Karin Manghofer vor: schminken, die Haare hochstecken und ab ins Dirndlgwand. „Schick hergricht“, so Manghofer. Die Stimmung ist ausgelassen, noch bevor der eigentliche Tag beginnt. Denn die Dirndlschaft trifft sich erst einmal zu einem gemeinsamen Frühschoppen, bevor sie um elf Uhr abgeholt wird. Der Bus ist da. Am Steuer sitzt Sonja von Hinmüller Reisen. „Unsere beste Busfahrerin“, sagt Manghofer lachend. Denn sie sei geduldig den ganzen Tag mit dabei und bringe die Meute sicher durch den Landkreis. Sie ist längst nicht mehr unbekannt, denn wenn bei den Burschen des Burschenvereins Erharting ein Fest ansteht, steht Sonja parat. Von nun an geht es Schlag auf Schlag: Zehn Stationen stehen den nun gestärkten Dirndln bevor. Sie gehen Einladungen von Burschen aus Pleiskirchen, Mettenheim, Polling, Unterneukirchen und sogar Wurmannsquick nach. Der krönende Abschluss ist dann bei den eigenen Burschen in Erharting. „Da kommen wir dann alle zusammen. Ganz ohne Zwang – einfach, wer Zeit und Lust hat. Deswegen macht es besonders Spaß.“ Das könne auch mal bis zwei Uhr früh dauern. „Einfach ein super schöner Tag“, träumt Manghofer. Eine Einladung blieb ihr besonders im Kopf. Eines Tages lag im Briefkasten der Vereinsadresse ein Brief – handgeschrieben, auf einfachem Blockpapier. Absender: Bekannte aus Mettenheim. Die jungen Männer hatten die Erhartingerinnen an Ostern beim „Oakarrern“ kennengelernt. Das sei derselbe Brauch, nur umgekehrt: Dabei besuchten die Männer die Damen und erhielten statt einer Pfingstrose ein Osterei. „Des war a wahnsinnssüße Einladung“, sagt Manghofer. „I hob erna dann glei gschrim, dass ma uns narrisch gfreit ham.“
Früher diente das Pfingstrosensammeln als Gelegenheit für unverheiratete Frauen und Männer vor allem zum Anbandeln. Doch für Manghofer und ihre Dirndlschaft stehe heute eher das Miteinander im Vordergrund. Und das Feiern. Gerade für die junge Dirndlschaft sei das wichtig. „Wir haben im Frühjahr an neuen Schwung Mitglieder dazugewonnen und der Verein ist selbst noch so jung“, erzählt Manghofer.
Der Verein selbst
ist noch jung
Der Verein selbst ist noch jung, der Altersdurchschnitt liegt bei circa Mitte 20. „Wir haben mittlerweile einen größeren Radius“, sagt Manghofer. Denn die Teilnehmerinnen kommen aus den umliegenden Dörfern Erharting, Töging, Pleiskirchen und weiter. „Ich kenne nicht mal alle Mädels richtig gut. Wir müssen erst noch zusammenwachsen. Aber das ist das Schöne daran.“