Spender für Anne gefunden

von Redaktion

Für die erneut an Leukämie erkrankte Anne Willkommen (38) aus Kolbermoor wurde ein passender Stammzellenspender gefunden. Nach der Transplantation ist die 38-Jährige wieder zu Hause. Bei ihrem zweiten Lebensretter handelt es sich um einen Mann aus den Niederlanden.

Kolbermoor – Es ist die Nachricht, auf die die Region monatelang gehofft hat: Für die an Leukämie erkrankte Anne Willkommen (38) aus Kolbermoor ist erneut ein Stammzellenspender gefunden worden. „Am 27. März durfte ich die Stammzellen meines neuen Spenders empfangen und bin dankbar, noch einmal Zeit geschenkt zu bekommen“, teilte die 38-Jährige jüngst auf ihrem Instagram-Kanal mit. Mittlerweile ist die Kolbermoorerin, die rund vier Wochen auf der Transplantationsstation eines Klinikums verbringen musste, aus dem Krankenhaus entlassen worden und wieder daheim in Kolbermoor. „Mir geht es aktuell besser, als ich erwartet und mir erträumt habe“, beschreibt Anne Willkommen gegenüber dem OVB ihre Gefühlslage.

Rückkehr
in die Hölle

Die vergangenen Monate müssen sich für Anne Willkommen wie eine Rückkehr in die Hölle angefühlt haben: 2021 war bei der heute 38-Jährigen Leukämie diagnostiziert worden. Der Beginn einer Zeit, die die junge Frau körperlich und seelisch an ihre Grenzen brachte. Doch die gebürtige Sächsin wollte leben und kämpfte mit aller Macht gegen die tückische Krankheit an. Und hatte das Glück, dass ein Stammzellenspender für sie gefunden werden konnte. „Ohne diese Spende wäre ich heute nicht mehr am Leben“, sagte Anne Willkommen 2025 anlässlich des Weltblutkrebstages gegenüber dem OVB.

Doch zum Jahreswechsel 2025/2026 dann der Schock: „Ich hatte Ende 2025 mit Nervenschmerzen und Taubheitsgefühl zu kämpfen“, erinnert sich die 38-Jährige. „Da die Symptome aber völlig anders waren, als bei meiner ersten Diagnose, habe ich zunächst nicht mit dem Schlimmsten gerechnet.“ Doch die anstehende Ärzte-Odyssee inklusive unzähliger Untersuchungen brachte letztlich die niederschmetternde Gewissheit: Die Leukämie ist mit voller Wucht zurück.

„Als ich die Diagnose bekommen habe, bin ich zunächst in eine Art Schockstarre gefallen“, beschreibt Anne Willkommen das Gefühl, als ihr Arzt ihr die bittere Wahrheit verkündete. Doch schnell fand die lebenslustige Frau raus aus dem Schockzustand – und rein in den Kampfmodus. Mit einer kräftezehrenden Chemotherapie wurde seitens der Ärzte begonnen, die Leukämie einzudämmen. Gleichzeitig fand in den weltweiten Datenbanken die Suche nach einem neuen, passenden Spender für Anne Willkommen statt.

Anfang März, rund zwei Monate nach der erneuten Leukämie-Diagnose, dann der erlösende Anruf: Ein Spender ist gefunden! „Ich habe sofort zu zittern angefangen, als ich die Nachricht bekommen habe“, erzählt die 38-Jährige, die auf Instagram von einem „unfassbaren Glück, ein zweites Mal einen Lebensretter zu finden“, spricht.

Zumal sie einen Vorsatz, den sie nach ihrer ersten Krebstherapie gefasst hatte, bereits über Bord geworfen hatte. „Damals habe ich gesagt, ich werde das Ganze kein zweites Mal durchmachen“, sagt die 38-Jährige ganz offen. Doch nach der zweiten Leukämie-Diagnose sei sie auch schnell zum Schluss gekommen: „Sterben ist keine realistische Alternative dazu!“ So wurden Anne Willkommen am 27. März die neuen Stammzellen transplantiert.

Seit wenigen Tagen ist Anne Willkommen nun wieder daheim – zwar noch geschwächt und stets darauf bedacht, ihr angegriffenes Immunsystem zu schonen, aber extrem dankbar dafür, „dass mir eine weitere Zeit geschenkt worden ist“. An die nächsten Monate und Jahre will sie positiv und optimistisch herangehen, auch wenn sie weiß, dass der Krebs noch lange nicht besiegt ist. „Die Menschen wollen natürlich immer eine finale Aussage haben. Die wird es aber nie geben“, sagt Anne Willkommen, die deutlich macht: „Letztlich macht der Krebs, was er will.“ So bestehe auch immer noch die Gefahr, dass ihr Körper die Spende abstoße. Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin, weshalb die Kolbermoorerin mit dem Status quo auch mehr als nur zufrieden ist: „Ich bin aktuell total glücklich, dass es jetzt gerade so ist, wie es ist.“ Was sie über ihren neuen Lebensretter bisher weiß? „Es ist ein Mann aus den Niederlanden“, verrät Anne Willkommen, die den Spender vorerst „Niels“ getauft hat. Und zwar aus einem kuriosen Grund: „An dem Tag, als ich die Nachricht bekommen habe, dass es einen Spender gibt, hatte ich im Fernsehen etwas über einen niederländischen Skifahrer gesehen, dessen Name Niels war“, sagt die 38-Jährige und lacht.

Dank an alle im
persönlichen Umfeld

Dankbar ist Anne Willkommen jedoch nicht nur dem Stammzelenspender, sondern auch ihrem gesamten Umfeld. Angefangen bei ihrer Lebenspartnerin Martina, die sich „unfassbar aufopfernd“ um sie gekümmert habe, bis hin zum „Team Anne“ und dem Verein „24h gegen Krebs“, die seit Wochen Typisierungsaktion um Typisierungsaktion auf die Beine stellen, mit denen Leukämie-Erkrankten weltweit geholfen werden kann. „Die Menschen, die einem zur Seite stehen, die geben einem so viel Kraft“, sagt die 38-Jährige, die es zudem die Anteilnahme in der gesamten Region an ihrem Schicksal „extrem berührt“ hat.

In den kommenden Wochen und Monaten will Anne Willkommen nun Schritt für Schritt ins Leben zurückkommen. Große Pläne, beispielsweise in puncto Urlaub, will sie jedoch nicht machen. Und dennoch hat sie ein Ziel, auf das sie hinarbeiten kann. Und das ihr vor wenigen Wochen noch undenkbar schien. „Im September haben wir Klassentreffen anlässlich unseres Abiturs, das wir vor 20 Jahren gemacht haben“, verrät die 38-Jährige. „Mittlerweile habe ich große Hoffnung, dass ich daran teilnehmen kann.“

Lebensretter werden? Sogar von der Couch aus möglich!

Artikel 9 von 11