Kolbermoor – Mit einem völlig verregneten Frühschoppen klang am Sonntagvormittag das große Rennfeuer-Symposium auf der Wiese an der Sportanlage am Rothbachl aus. In der Nacht waren die letzten Öfen angestochen, das letzte Eisen herausgeholt worden – bis 3 Uhr morgens war ein Team aus Frankreich noch aktiv. Nicht einmal die Gewitterfront, die gegen Mitternacht aufzog, konnte die leidenschaftlichen Rennfeuer-Experten abschrecken – „läuft ein Ofen, wird der Prozess auch durchgezogen“, schmunzelte angesichts der Ausdauer Organisator Christian Poitsch von der Stadt Kolbermoor. Am Sonntag bauten die Teilnehmer nur noch ihre Zelte ab und machten sich auf den Heimweg.
„Eisen war damals
ein Luxusgut.“
Team Sachsenhof Greven
Über Tage herrschte bis einschließlich Samstag bei hochsommerlichen Temperaturen reges Treiben auf dem Gelände am Rothbachl, Rennfeuer-Experten aus ganz Europa trafen sich, um sich auszutauschen, die Öfen nach uralter Handwerkskunst zu errichten, sich auf Fachvorträgen zu informieren – und um die Begeisterung am Thema Rennfeuer an die zahlreichen Zuschauer weiterzugeben.
Zu sehen gab es immer etwas, von morgens bis spätnachts: Die einen errichteten aus Lehm, Ziegeln und Stroh einen neuen Rennofen und ließen ihn dann ausbrennen und aushärten; andere befüllten ihre soeben fertiggestellten Öfen mit einem Gemisch aus Kohle und Eisenerz – fein säuberlich, Schicht für Schicht, mal mit größeren Eisenerzbrocken, mal fein gemahlen. Wieder andere waren mit hochroten Köpfen damit beschäftigt, ihren Rennofen am Laufen zu halten – der Blasebalg musste bedient und zur rechten Zeit Kohle nachgeschüttet werden. „Das Feuer braucht Sauerstoff und darf während des Verhüttungsprozesses nicht ausgehen“, erläuterte Organisator Peter Elgaß.
Spannend wurde es erneut, wenn nach zehn Stunden und mehr der Ofen „angestochen“ wurde: Die flüssige Schlacke, also das „schlechte Material“, rinnt (oder „rennt“, deshalb Rennofen) heraus – zurück im Ofen bleibt der Klumpen Eisen, glühend heiß. Dieser wird dann, je nach Ofenart, herausgefischt oder eben der Ofen abgetragen, um an die „Luppe“ zu gelangen.
Eilig geht es dann weiter zum Amboss oder einem Holzstock, um mit dem Schmiedehammer das Rohmaterial weiter zu verfeinern, Schlacke und Holzkohlereste herauszuhämmern und das Eisen in Form zu bringen. Erst dann können daraus Messer, Beile oder Schwerter geschmiedet werden. „Die Gewinnung ist schon sehr aufwendig, da sieht man erst, welch ein Luxus es in früheren Zeiten war, Eisen zu besitzen“, erklärt Reinhard Klumpp vom Team Sachsenhof Greven. Von zehn Kilogramm Eisenerz, das in den Ofen geschichtet wird, bleibt am Ende gerade mal eine „Luppe“ von zwei Kilogramm übrig, so die Erfahrung von Matthias Fischer vom Team Sachsenhof. Weitere zwei Drittel gingen dann beim anschließenden Verschmieden durch den Hammerschlag verloren.
Begleitet wurde das XIII. Internationale Rennfeuer-Symposium, das jedes Jahr in einem anderen europäischen Land stattfindet und erstmals in Kolbermoor ausgerichtet wurde, von Fachvorträgen für die Teilnehmer. Überdies stand bei dem ein oder anderen Team das Experimentieren im Mittelpunkt: Mal wurde dieses, mal jenes Eisenerz verwendet, mal gröber, mal feiner – und auch der Kolbermoorer Seeton, entnommen aus dem Teufelsgraben, wurde ausprobiert. Letzterer scheint sich allerdings nicht optimal fürs Eisen-Machen zu eignen, denn wurde Seeton verwendet, war der Ertrag vergleichsweise gering. „Ein Team aus den Niederlanden will die Luppe zu genauer analysieren, woran das liegen kann, möglicherweise am hohen Kalkanteil“, erläuterte Poitsch.
Insgesamt zeigte sich das Organisationsteam vom Förderverein Europäisches Zentrum für zeitgemäße Metallgestaltung durchaus zufrieden mit der Veranstaltung: „Gerade am Samstag kamen sehr viele Besucher und alle waren begeistert“, freut sich Poitsch. Doch gerade das Bewerben im Vorfeld und das Vermitteln des Themas „Eisen-Machen“ sei schwierig gewesen, kein Vergleich zur Schmiede-Biennale, zu der Tausende Besucher strömen. „Die Leute konnten sich nichts darunter vorstellen, man musste es einfach erleben.“