Annes Autogramm steigert die Motivation

von Redaktion

Silvesterlauf: 346 Sportler am Start – darunter Ironman-Weltmeisterin Anne Haug

Kolbermoor – Beim Mangfall-Silvesterlauf gab es Streckendistanzen über sechs und zehn Kilometer: Was sich für den normalsterblichen Couchsitzer wie Extremsport anhört, sahen viele der 346 Teilnehmer des Laufs eher entspannt: „Heute geht es darum, Spaß zu haben, das Wetter zu genießen und die Aussicht“, meinten Christian Voss und Melanie Schwob. Für die beiden sind die zehn Kilometer auch wirklich harmlos oder „Sprintdistanz“ wie Voss sagt, schließlich laufen sie sonst Marathon.

Laufen und
Spaß haben

Die beiden kommen aus Preetz bei Kiel, machen hier nur Urlaub, nutzen aber als begeisterte Läufer natürlich die Gelegenheit des Kolbermoorer Silvesterlaufs, den sie „just for fun“ absolvieren wollten, sozusagen mit abgeschaltetem sportlichem Ehrgeiz.

Die beiden standen für viele an diesem Nachmittag, denn beim Mangfall-Lauf rangiert der Spaß bei den Teilnahmegründen weit oben, wenn das sportliche Kräftemessen natürlich schon auch dazu gehört. So wie bei Lorenz Kirchhuber aus Großkarolinenfeld. Er ist Motorradmechanikermeister, beruflich schwer eingespannt und läuft, wie er sagt, eigentlich rein zur Entspannung. Trotzdem hat der 47-Jährige ein sportliches Ziel vor Augen: Vor seinem 50. Geburtstag möchte er in seiner Altersklasse noch einmal als Erster durchs Ziel gehen. Auf den zweiten und dritten Platz hat er es schon geschafft, dass es am Dienstag nur für den fünften reichte, sah er entspannt: „Das Wetter fantastisch, die Atmosphäre super, die Leute ungemein sympathisch – was will man mehr?“ Und dafür, dass er sein sportliches Ziel nicht aus den Augen verliert, hat er auch gesorgt: Er hat sich seine Startnummer von Anne Haug unterschreiben lassen, der amtierenden Ironman-Weltmeisterin, die heuer zum dritten Mal beim Mangfall-Lauf dabei war: „Meine Startnummer mit ihrem Autogramm hänge ich auf, dann hab ich die Motivation ständig vor Augen.“

Motivation und die Frage, wie man sie dauerhaft erhalten kann, ist schließlich auch bei den passionierten Läufern durchaus ein Thema. Weshalb viele von den Teilnehmern in Vereinen oder lockeren Lauftreffs organisiert sind. So wie der 64-jährige Dieter Moskart aus Großkarolinenfeld. „Laufen ist eine Leidenschaft“, meint er, „wer einmal damit angefangen hat, wird unruhig, wenn er mal eine Zeit lang nicht laufen kann.“ Ist diese Zeit aber länger, könnte es sein, dass aus dem „vorübergehend nicht laufen können“ am Ende ein „nicht mehr laufen wollen“ wird. „Dagegen ist die Laufgruppe die beste Versicherung.“

Überhaupt scheinen die Läufer ein Sportlerschlag zu sein, die andere, die weniger gut sind, bereitwillig „mitziehen“. Wie zum Beispiel Valentin Ngally, der in Kamerun geboren wurde. Er ist nicht nur selbst begeisterter Läufer, der in Bad Aibling jeden Tag vor Arbeitsbeginn schnell mal vier bis sechs Kilometer zurücklegt. Er läuft, wie er sagt, auch mit einer Nachbarin, die trotz einer Asthmaerkrankung das Laufen für sich entdeckt hat: Er ist ihr Zugpferd und damit die Garantie, dass sie nicht aufgibt.

Für ihn ist deshalb die Tatsache, dass der Mangfall-Lauf auch eine Benefizveranstaltung ist für Vereine wie „Kolbermoorer helfen“, wohl nicht von ungefähr ein wichtiger Grund, hier gerne mitzulaufen. Ein anderer der Umstand, dass hier, wie er sagt, jeder auf seine Kosten kommen kann, egal in welcher „Leistungsklasse“ er sich sportlich befindet.

Die Organisatoren des Laufs, Klaus Meyer und Michael Steinkohl, werden das gerne hören, denn eine „Veranstaltung für alle“ zu sein, war ja seit dem Beginn des Mangfall-Laufes ihr Ziel.

Egal ob Spitzenathlet oder Anfänger – für Läufer gibt es wohl keinen schöneren Jahresabschluss als einen Silvesterlauf wie in Kolbermoor. Und sei es nur, „um sich am Abend ohne Reue ein ordentliches Silvestermenu gönnen zu können“, wie die 29-jährige Johanna Marx aus Bad Feilnbach meinte.

Die Schnellsten

Die Top-Drei über die Zehn- Kilometer-Distanz bei den Herren: Florian Schipflinger (Zeit 33 Minuten, 57 Sekunden), Maximilian Berger (34:11) und Johannes Ullermann (34:48). Bei den Damen: Anne Haug (34:30), Kerstin Esterlechner (38:23) und Jaqueline Funke (41:13).

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