Der Blick in den Himmel fällt aus

von Redaktion

Corona-Krise Rosenheimer Sternwarte schließt und öffnet erst im Oktober wieder

Rosenheim – Der wolkenlose Himmel der vergangenen Tage wäre eigentlich wie geschaffen gewesen für einen Blick zu den Sternen. Doch Corona macht auch vor der Sternwarte an der Technischen Hochschule Rosenheim keinen Halt. Öffentliche Führungen vor der Sommerpause können nicht mehr stattfinden, weshalb die Einrichtung ab sofort geschlossen ist und ihre Türen erst im Oktober wieder öffnen wird.

„Jetzt noch ein Desinfektionskonzept zu entwerfen wäre unsinnig gewesen“, sagt Professor Elmar Junker von der Fakultät für angewandte Natur- und Geisteswissenschaften der Hochschule. Er leitet die Sternwarte seit 2005, hält die Vorlesung „Einführung in die Astronomie“ und organisiert das „öffentliche astronomische Kolloquium“. Normalerweise finden immer montags bei freiem Himmel öffentliche Führungen statt, hin und wieder gibt es auch Sonderführungen. „Im Sommer ist es dafür aber abends zu lange hell, weshalb wir die Führungen nur von Oktober bis Mai anbieten.

„Wegen der Beschränkungen haben wir jetzt eben einige Wochen früher geschlossen“, sagt der Professor. Zwar fielen die Spendeneinnahmen, die man sonst durch die Führungen habe, weg, das sei aber finanziell zu verkraften.

Auch die Studenten können derzeit noch nicht in die Sternwarte. Mehr Freizeit hat Professor Junker trotzdem nicht. „Die ganze Lehre an der Technischen Hochschule findet gerade online statt, da muss vieles neu organisiert werden. Das ist eine ganz andere Belastung als sonst“, sagt Junker. Derzeit arbeite er an einem Konzept, um in diesem Semester trotzdem noch Praktika mit den Studenten in den Laboren durchführen zu können. „Das muss dann natürlich in abgespeckter Version laufen, aber die wichtigsten Lernziele sind erreichbar“, sagt Junker.

Auch für das öffentliche astronomische Kolloquium müssen neue Termine gefunden werden. Dafür kommen normalerweise zwei bis drei Mal pro Semester Experten aus ganz Deutschland an die Hochschule. Die beiden Vorträge, die für dieses Sommersemester auf dem Plan standen, wurden verschoben: von Dr. Andreas Hänel über Lichtverschmutzung auf 2021 und von Dr. Peter Predehl über ein neues Röntgenweltraumteleskop auf den 29. Oktober. Am 16. November referiert dann Professor Dr. Hartmut Zohm über Kernfusionsforschung. Die Vorträge werden voraussichtlich nur vor wenigen Zuschauern gehalten und live im Internet übertragen. Für die breite Öffentlichkeit soll die Sternwarte am 5. Oktober wieder öffnen – natürlich nur, wenn es die Situation rund um Corona zulässt.

Der Nachthimmel hat aber auch in Zeiten der Pandemie einiges zu bieten. Schon seit Langem verschickt Junker deshalb einen Newsletter, der einerseits über die Sternwarte informiert, andererseits auch auf sehenswürdige Phänomene im Weltall aufmerksam macht. Der Newsletter ist auf der Website der Sternwarte abrufbar. „Mit dem Newsletter geht die Sternwarte gewissermaßen weiter, trotz der Schließung“, sagt Junker. „Es geht darum, zu zeigen, was so los ist am Himmel.“ So könne man Ende des Monats vielleicht noch einen helleren Kometen bestaunen. Gerade jetzt, wenn man abends zu Hause sitzt, lohnt sich der Blick in den Nachthimmel. Auch ohne Sternwarte.

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