Im Regen stehen gelassen

von Redaktion

Eltern kritisieren Schulbusse – Bahn und Stadt wehren sich

Rosenheim – Thomas Grun ist sauer. Zum wiederholten Mal wurde seine Tochter an der Haltestelle stehen gelassen, weil der Schulbus voll war. „Im Winter oder bei starken Regenfällen sind die Busse so stark überfüllt, dass die Schüler an den Haltestellen Waldeck und Traithenstraße schlichtweg nicht mehr mitgenommen werden“, sagt er. Das führe dazu, dass die Kinder zu spät zum Unterricht kommen.

Was Thomas Grun besonders ärgert: Schon mehrmals hat er die RVO und Firma Kroiss auf das Problem hingewiesen. Passiert ist nichts. Im Gegenteil. In Gesprächen mit anderen Eltern und Schulweghelfern stellt sich heraus, dass sich die Situation seit Anfang des Jahres noch einmal verschärft haben soll. So komme es neben Verspätungen von bis zu 25 Minuten auch immer wieder vor, dass die Schüler an der Haltestelle stehen gelassen werden. „Allein in diesem Jahr erinnere ich mich an sechs Fälle“, sagt Thomas Grun.

Familien setzen
verstärkt aufs Auto

Seinen Unmut hat der Familienvater in einem Schreiben an RoVG-Geschäftsführer Oliver Kirchner Luft gemacht. Er schilderte den Vorfall, schlug Lösungen vor und hinterfragte, warum das Problem erst jetzt beim Geschäftsführer aufschlage. „Es hat bereits zahlreiche Gespräche mit betroffenen Eltern gegeben“, sagt er.

Eine davon ist Susann, die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ihr Sohn ist ebenfalls auf den Schulbus angewiesen. Nachdem er stehen gelassen wurde, musste er bis zum nächsten Bus um 7.50 Uhr warten und sei dadurch „deutlich zu spät zur Schule“ gekommen. „Die Busse sind in den vergangenen Wochen eine Katastrophe“, sagt sie. Zahlreiche Familien würden ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule bringen.

Doch sowohl die Stadt als auch die Deutsche Bahn weisen die Kritik entschieden zurück. „Grundsätzlich ist die Schülerbeförderung gesichert. Die Linie 12 hält um 7.08 Uhr und um 7.09 Uhr am Waldeck, respektive um 7.10 Uhr und 7.11 Uhr in der Traithenstraße. Zusätzlich halten mit der Linie 7 um 7.02 und um 7.17 Uhr zwei weitere Busse am Waldeck“, sagt Christian Baab, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Rosenheim.

Etwas anders fällt die Antwort der Bahn aus: „Aktuell sind bereits zwei gute Verbindungen für den Schülerverkehr in den Fahrplan eingearbeitet, die im Abstand von lediglich einer Minute fahren“, teilt eine Sprecherin der Bahn auf OVB-Anfrage mit. Die Kapazitäten dieser beiden Busse sind ihr zufolge ausreichend, um alle Schüler „rechtzeitig zur Schule zu transportieren“.

Sie erinnert daran, dass es sich bei der früheren Verbindung um einen sogenannten Verstärkerbus handelt – also eine Fahrt außerhalb des Taktes, mit der Fahrgastspitzen aufgenommen werden können. „Meist ist der Verstärker nur teilweise ausgelastet“, sagt die Bahn-Sprecherin.

Sollte es dennoch vorkommen, dass der Bus bereits voll besetzt ist und keine weiteren Fahrgäste aufnehmen kann, fahre er ohne weiteren Halt durch. „Diese Maßnahme dient zur Sicherheit der Passagiere“, sagt die Sprecherin.

Auch Thomas Grun liegt die Sicherheit der Kinder am Herzen. Aus diesem Grund fordert er Stadt und Betreiber zum Handeln auf. Er schlägt vor, größere Busse einzusetzen – vor allem in den Morgenstunden. „Die Busse sind in der Regel ausreichend, es sei denn, die Schüler teilen sich nicht auf, weil sie den gleichen Bus wie ihre Freundinnen und Freunde nehmen wollen“, sagt Christian Baab. Diese Aussage will Thomas Grun so nicht stehen lassen. So habe seine Tochter durchaus vorgehabt, den ersten Bus zu nehmen, in dem auch noch Platz gewesen wäre. Dieser hielt jedoch nicht. Das wiederum hatte zur Folge, dass sie den Bus nehmen musste, der eine Minute später kam. „Und der ist in der Regel so voll, dass er entweder nicht hält oder nur wenige Kinder einsteigen lässt“, kritisiert der Familienvater. Dass das Problem auch schon die Politik erreicht hat, bestätigt Stadtrat Florian Ludwig (CSU). „Im Oktober war es so, dass der Linienbus, der die Schulkinder aus der Aisingerwies zur Grundschule Aising bringen sollte, einfach nicht gekommen ist und die Kinder eine weitere halbe Stunde gewartet haben. Ohne jegliche Kommunikation“, sagt er. Zwar sei ihm im Moment kein neuer Fall bekannt, trotzdem kritisierte er, dass ein neues Tarifsystem eingeführt wird, das es möglich macht, mit einer Fahrkarte von Pang bis Dachau zu fahren, gleichzeitig es aber nicht gelingt, die „grundlegendsten Anforderungen an den Busverkehr zuverlässig zu erfüllen, weil das Personal fehlt“.

Darauf, dass mit dem MVV-Beitritt am 10. Dezember zumindest ein Teil der Probleme gelöst werde, hofft Thomas Grun. Auch wenn ihm die zusätzlichen Mehrkosten Bauchschmerzen bereiten. „Wir müssen die Fahrkosten für unsere Tochter selbst tragen und müssen somit deutlich mehr bezahlen“, sagt er. Das sei ohnehin schon ärgerlich, werde aber zum doppelten Ärgernis, wenn der Busfahrer die Kinder an der Haltestelle stehen lässt.

440000 Euro
für 1200 Schüler

Dass Thomas Grun das Busticket für seine Tochter selber bezahlen muss, liegt daran, dass er und seine Familie weniger als drei Kilometer vom Ignaz-Günther-Gymnasium entfernt wohnen. Grundschüler bekommen bereits eine Fahrkarte, wenn sie mehr als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen.

„Die Stadt übernimmt für circa 1200 Schülerinnen und Schüler die Kosten für das 365-Euro-Ticket. Die Kosten belaufen sich auf circa 440000 Euro“, sagt Stadt-Sprecher Baab. Wie viele Selbstzahler es gibt, sei nicht bekannt.

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