Ideengeberin für neue Lehrmethoden

von Redaktion

Whiteboards statt Vorträge, Experimente statt Bücher: Eine klassische Vorlesung gibt es bei Claudia Schäfle nicht. Die Professorin der TH Rosenheim setzt sich für interaktive Lehrmethoden ein und hat ihren Ansatz etabliert. Dafür wurde sie nun mit dem Preis für gute Lehre ausgezeichnet.

Rosenheim – Es ist Montagmorgen an einer beliebigen deutschen Universität. Ein Professor sortiert seine Materialien und heftet ein Ansteckmikro an sein Hemd. Die letzten Studierenden taumeln verschlafen in den Vorlesungssaal, hängen 90 Minuten auf ihrem Stuhl, lassen sich von der Stimme des Dozenten berieseln und treten wieder hinaus. „Ungefähr so sahen alle meine Vorlesungen aus, als ich studiert habe”, sagt Claudia Schäfle, Physik-Professorin an der Technischen Hochschule (TH) Rosenheim, im Gespräch mit dem OVB. Auch heute noch werden viele diese Art des Frontalunterrichts aus ihrer Studienzeit kennen.

Wer allerdings eine Vorlesung von Schäfle besucht hat, weiß, dass es auch anders geht.

Seit rund 18 Jahren ist die Professorin an der Rosenheimer Hochschule. „Mir war die Lehre schon immer wichtig und ich wollte unbedingt in dem Bereich arbeiten”, sagt die 54-Jährige. Doch sie wollte ihr Fach auf eine andere Art gestalten.

Also schaute sich Schäfle Konzepte aus der ganzen Welt an, sammelte Ideen aus Harvard oder dem MIT und brachte sie mit nach Rosenheim.

Eines ihrer größten Projekte sind die sogenannten „Scale-Up“-Räume. Dahinter verbirgt sich ein Lehrkonzept, das die Studierenden möglichst aktiv in die Vorlesungen einbindet. „In diesen Räumen arbeiten die Studierenden an runden Tischen, aufgeteilt in kleinere Gruppen. Auf den Tischen befinden sich unter anderem DIN-A2-große Whiteboards für das gemeinsame Arbeiten sowie kleinere Experimente“, beschreibt Schäfle. Dadurch stehen nicht mehr die Professoren, sondern das Material und die Interaktion zwischen den Studenten im Vordergrund. „Ich bereite das Material vor, gebe bei Bedarf nur noch kurze Vorträge und steuere den Lernprozess durch gezielte Aufgaben”, erklärt die Professorin. Seit 2021 sind die Räume A2.06 und B0.13 an der TH Rosenheim nach dem amerikanischen Vorbild aufgebaut. Und das Konzept scheint zu funktionieren: „Die Durchfallquoten bei Klausuren sind seitdem nach unten gegangen und das Feedback ist sehr positiv“, sagt Schäfle, die sich darüber hinaus noch für andere Projekte in ganz Bayern engagiert.

Für ihren Einsatz haben einige Studierende Claudia Schäfle nun über die Hochschulleitung zum „Preis für gute Lehre“ vorgeschlagen. Als eine von 21 Lehrenden erhielt sie die Auszeichnung des Bayerischen Wissenschaftsministers Markus Blume. „Sie sind Helden der Lehre und machen den Unterschied im Hörsaal, egal ob digital, interaktiv oder besonders praxisnah“, lobte Blume.

Für Schäfle geht es nun darum, ihren aktiven Lehransatz weiter zu etablieren. „Ich würde mir wünschen, dass wir solche Konzepte an möglichst viele Hochschulen bringen”, sagt sie. Denn der Austausch und die praktische Erfahrung seien enorm wichtig, um die theoretischen Inhalte besser zu verarbeiten und somit besser zu verstehen.

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