13 Tore – was sind sie wert?

von Redaktion

Serge Gnabry mit einer Quote fast wie Bomber Gerd Müller

Frankfurt – In dieser Saison fällt oft der Name Gerd Müller. Der „Bomber der Nation“, der im Pflegeheim lebt, ist die Referenzgröße für alles, was im Fußball an bemerkenswerten Offensivleistungen geschieht.

Thema beim FC Bayern: Übertrifft Robert Lewandowski die alte Müller-Marke von 40 Toren, die doch für die Ewigkeit gemacht schien? Der Pole ist auf dem Weg dazu.

In der Nationalmannschaft: Serge Gnabry hat eine Torquote, wie man sie nur von Müller kannte. Oder: Wie er gegen Nordirland das 1:0 machte. Schuss aus der Drehung in den Winkel – ein Gerd-Müller-Gedächtnistreffer.

13 Länderspiele, 13 Tore –wie ist das zu bewerten? Ist das bereits die Güteklasse eines Gerd Müller, der in 62 Länderspiele 68 Mal getroffen hat? Gnabry, 24, absolvierte sein erstes Länderspiel vor drei Jahren in San Marino, wo man in der WM-Qualifikation antreten musste, er führte sich in diesem wegen des nasskalten Wetters unvergessenen und leicht mit 8:0 gewonnenen Spiel mit drei Toren ein. Gegen Nordirland lieferte er nun sein zweites Drei-Treffer-Match ab, worauf man die These stützen könnte, er profitiere davon, dass man in den aufgeblasenen Qualirunden auf leichteste Gegnerschaft treffe. Das mag so sein – doch auch das Deutschland der Gerd-Müller-Zeit hatte häufig zu tun mit Zypern, Malta, Albanien. Zwerge gab es damals genauso.

Nein, Gnabry hat auch gegen richtige Fußballländer seine Spuren hinterlassen: Er traf in zwei Partien gegen die Niederlande, neulich gegen Argentinien. Und es kommt immer auch darauf an, wie man ein Tor erzielt. Leon Goretzka war sehr angetan von Gnabrys drittem am Dienstagabend: „Wie er da stabil bleibt, sich nicht abschütteln lässt – das ist richtig stark, das habe ich ihm auch gesagt.“

Deutschland steht immer noch etwas ungläubig vor Gnabrys Karriere. Man hatte mal gehört, dass er ein ungewöhnliches Talent sei, doch der FC Arsenal, zu dem er als Teenager in die Ausbildung gegangen war, ließ ihn nach vielen Verletzungen fallen. Weil wenige Bundesligaspieler zur Verfügung standen, rutschte er als letzte Option in den Olympiakader 2016, der Silber gewann. Man staunte: Der könnte viele Bundesligaclubs verstärken, außer Bayern. Doch die banden ihn letztlich an sich, als er in Bremen seine Klasse nachwies. Das Jahr Leihe danach in Hoffenheim tat Gnabry gut.

Er hat noch kein Turnier mit der A-Nationalmannschaft gespielt. 2014 und 18 hätte Löw ihn genommen, doch er war verletzt. 2016 war er fast schon vergessen. Schwere Zeiten. „Ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt. Wenn man arbeitet, bekommt man etwas zurück.“

Serge Gnabry hat sich unentbehrlich gemacht und nun eine Position, in der er seinem Förderer Joachim Löw, der andere Teams viel weiter sieht als das eigene, widersprechen kann: „Ich finde es langsam nervig, immer noch von Umbruch zu reden. Wir zeigen sehr guten Fußball und gehen selbstbewusst in die EM.“ Er allen voran.  gük

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