Die ideale Elf

von Redaktion

Mit welcher Aufstellung soll das deutsche Nationalteam bei der EM spielen? Ein Vorschlag

VON GÜNTER KLEIN

Frankfurt – Immer wieder ein Wunder: Wie Nationalspieler sich verwandeln können. Zivilklamotten statt DFB-Uniform – so verschwanden sie aus der Frankfurter Arena in die Nacht. Julian Brandt etwa trug eine Jeansjacke mit eingerissenem Kragen und sagte, dass er jetzt schon wieder an seinen Verein Dortmund denke.

Die Nationalmannschaft, ihr nächstes Spiel in vier Monaten (in Spanien) und die EM sind weit weg, vieles kann bis dahin passieren –dennoch hat sich mit Abschluss des Jahres 2019 eine Vorstellung ergeben, wie eine ideale Elf für den kommenden Sommer aussehen könnte.

Tor: Manuel Neuer. Er liefert verlässlich ab – da kann Marc-Andre ter Stegen machen, was er will. Als Kapitän wird Neuer nicht auf die Bank gesetzt.

Abwehr rechts: Joshua Kimmich. In der Strategierolle im Mittelfeld wirkt er nicht nur wegen des in die Hose gesteckten Trikots (Erklärung: „Es war zu lang, und im Basketball machen die Spieler es auch so“) nach wie vor gewöhnungsbedürftig. Als Verteidiger trägt er mehr zum Offensivspiel bei. Kimmich kann mehr als die Rennmaschine Klostermann.

Innenverteidigung: Matthias Ginter. Er reift seit fünf Jahren vor sich hin und bietet das umfassendste Paket. Spielt er regelmäßig, kann man sich bei ihm ein Benedikt-Höwedes-Turnier wie 2014 vorstellen.

Mats Süle. Den „Fixstern in der Abwehr“ nennt Oliver Bierhoff den Münchner Kreuzbandpatienten Niklas Süle. Joachim Löw räumt ein, „keine Ahnung“ zu haben, ob dieser den Wettlauf mit der Zeit gewinnen wird. Ersatzanker sollte Mats Hummels sein. Löw ist noch stur, was ein Comeback des Dortmunders betrifft.

Abwehr links: Jonas Halstenschulz. Dass Jonas Hector gegen Nordirland spielen durfte, begründete Löw damit, dass der Kölner in den Jahren 2014 bis 17 eine tragende Figur war. Viel schlechter als Nico Schulz und Marcel Halstenberg spielte er nicht. Über Linksverteidiger sagte Löw mal, er könne sich keinen schnitzen. Den einen, der es sein müsste, gibt es auch 2019/20 nicht.

Mittelfeld: Sechser/Achter: Toni Kroos. Hat sich zurück zur Unumstrittenheit gespielt. Keine Dosierung seiner Einsätze mehr, er will unbedingt auch in den beiden Spielen Ende März dabei sein: „Eingespielt sein ist immer ein Vorteil.“

Leon Goretzka. War in den Oktober-Spielen eine Art Außenstürmer. Ungewohnt für ihn, „mich zwischen den Verteidigern zu bewegen in Räumen, wo man den Ball eh nicht bekommt. Da muss man sich ein wenig opfern.“ Den Allrounder könnte man sich auf zentraler Position noch besser vorstellen. Offensive Freiheiten und Schüsse aus zweiter Reihe inklusive.

Mittelfeld offensiv: Kai Havertz. „Jede Aktion bei ihm kann zu etwas Gutem führen“, hat Günter Netzer, der Fußball-Weise, beim Leverkusener Genialität ausgemacht. Das auffälligste Talent seit langem. Warum es vor der Welt unter Verschluss halten?

Angriff: Leroy Sané. Auch über ihn äußerte sich Günter Netzer. Eine teure Felljacke mache noch keinen Typen aus Sané, doch Typenhaftigkeit sei in der heutigen Zeit „auch gar nicht gefragt, weil die Mannschaft stärker im Vordergrund steht als zu unserer Zeit“, so der 75-Jährige. Sanés Spielweise dient der Mannschaft, sie macht sie unberechenbar. Der Kreuzbandriss, der DFB-Spiele in dieser Saison verhinderte, erfolgte so früh, dass Leroy Sané genügend Zeit hat, bis zum Sommer in Form zu kommen. Serge Gnabry. Klar, dass er in die ideale Elf gehört. Und seine ideale Position ist die des Mittelstürmers. Man kann sie nicht moderner und besser spielen, als er das gegen die Nordiren tat.

Timo Werner. Der Leipziger blieb gegen Weißrussland farblos und gegen Nordirland nur auf der Bank – doch sein Lauf in der Liga spricht für ihn. Als Neuner ist der variablere Gnabry die bessere Wahl, doch Werner hat schon bei der WM 2018 gezeigt, dass er auch auf der linken Seite eine Abwehr aufmischen kann.

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