Luxusausbilder gegen Sparlöwen

von Redaktion

Der FC Bayern II und der TSV 1860 im Vergleich

VON LUDWIG KRAMMER

München – Drei Tage noch, dann steigt auf Giesings Höhen das Derby zwischen dem gastgebenden TSV 1860 und der Zweitvertretung des FC Bayern. Sämtliche Karten sind ausverkauft, der Prestigefaktor ist vor allem aufseiten der Löwen-Anhängerschaft hoch, schließlich gibt es für die Sechziger seit dem Bundesliga-Abschied 2004 keine Möglichkeit mehr, sich mit der ersten Garde des Rekordmeisters zu messen – den DFB-Pokal mal ausgeklammert.

Zum Drittliga-Duell machen wir den Vergleich zwischen Blau und Rot II. Spieler, Trainer, Perspektiven. Erkenntnis: Die Unterschiede zwischen den größten Münchner Clubs sind auch auf dieser Ebene eklatant.

Die Mannschaften: „Bayern II ist fußballerisch mit die stärkste Mannschaft der Liga“, sagt 1860-Trainer Michael Köllner. „Die verpflichten Spieler, da kostet einer mehr als unser ganzer Kader.“ Glaubt man dem Branchenportal „transfermarkt.de“, kommen die Löwen auf einen Gesamt-Marktwert von 5,60 Millionen Euro, Bayern II auf satte 43,88 Millionen, wovon alleine 31 auf Alphonso Davies (15), Michael Cuisance (12) und Fiete Arp (4) entfallen. Die am höchsten bewerteten Löwen, Quirin Moll und Dennis Erdmann, werden auf jeweils 350 000 taxiert, auf diesen blauen Top-Wert kommt bei Bayern II Linksverteidiger Derrick Köhn – an 13. Stelle.

Die Trainer: Sechzigs Köllner tritt das schwere Erbe von Daniel Bierofka an, der die Löwen nach dem Zwangsabstieg ins Amateurlager zurück in die Drittklassigkeit führte, ehe er sich im Gesellschafterstreit zur Aufgabe gezwungen sah. Mit dem 1. FC Nürnberg feierte auch Köllner einen Aufstieg; der 49-jährige Oberpfälzer führte die Franken 2018 wieder in die Bundesliga, wo er im Februar nach einer Niederlagenserie beurlaubt wurde. Erfahrung im Herrenbereich hat Bayern-II-Trainer Sebastian Hoeneß, 37, noch nicht viel sammeln können. Vor seiner Beförderung zum Drittliga-Trainer leitete er die hauseigene U19 an und war zuvor im Nachwuchsbereich von RB Leipzig tätig. Das Ziel beim FC Bayern ist klar umrissen: Es geht darum, Spieler auszubilden, im besten Fall für den Bundesliga-Kader des Rekordmeisters. Zitat Hoeneß jun.: „Nachdem viel Geld in den Campus investiert wird, ist schon die Erwartung da, dass was zurückkommt.“

Gesamtsituation: Die Formkurve der chronisch defizitären und clubpolitisch gespaltenen Löwen (20 Punkte) zeigte zuletzt wieder nach oben. Auf das unglückliche 1:2 in Rostock folgte ein 4:2 gegen Viktoria Köln und das hochverdiente 1:0 beim Halleschen FC, bei dem Interimstrainer Oliver Beer im 5-3-2 kontern ließ. Bayern II (21 Punkte), das sich um die Finanzen nicht sorgen muss, zahlte beim 3:5 in Meppen Lehrgeld, besiegte danach Magdeburg mit 2:1. Um Schönheitspreise wird es am Sonntag nicht gehen. Wie sagte Köllner eingangs der Woche so schön: „Fußball wird nicht nur durch Technik entschieden, es gehört ein bisschen mehr dazu.“

Artikel 1 von 11