Frankfurt – Das Spiel, auf das es für Deutschland am Dienstagabend ankam, fand nicht in Frankfurt statt, sondern in Cardiff. Wales war so nett, Ungarn 2:0 zu schlagen.
Es ist wie in der Chaostheorie: Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann Hunderte von Kilometern entfernt die Wetterlage verändern – und Ähnliches geschah auch hier: Dadurch, dass Ungarn in seiner Qualifikationsgruppe nur Vierter wurde, muss es im März in die Playoffs der EM-Anwärter aus der Nations League, kann sich dort zwar nachträglich für die EM-2020-Vorrundengruppe mit Deutschland qualifizieren, würde in diesem Fall aber in München antreten müssen. Man muss nahe an der Fields-Medaille sein, dem höchsten Preis in der Mathematik, um nachvollziehen zu können, warum das so ist – doch egal: Bei diesem ungewöhnlichen Turnier wird die deutsche Nationalmannschaft alle drei Vorrundenspiele in der Allianz Arena bestreiten können.
Vorrunde dahoam – wie fühlt sich das an? „In einem Satz: Toll und komisch“, sagt Joshua Kimmich. Von einem Turnier, das über zwölf Länder des Kontinents verteilt ist, erhofft man sich neue Reize. Doch statt exotischer Kulinarik erwartet einen die Kantine. Das alles hat für ihn mehr von Bundesliga als von Nationalmannschaft, zumal ein starker Bayern-Block das DFB-Team prägen wird.
Mit drei Heimspielen sinkt jedoch das sportliche Risiko, wieder ein Desaster zu erleben wie bei der WM in Russland. Oliver Bierhoff, der Direktor für die Nationalmannschaften, glaubt ja, „dass 2020 für die Entwicklung der Mannschaft früh kommt; reif wird sie 2024 sein.“ Zur dann komplett in Deutschland stattfindenden EM. Was kommendes Jahr betrifft, glaubt er, „dass wir auch über die Begeisterung werden kommen müssen“. Leon Goretzka meint: „Wir werden das Publikum als zwölften Mann brauchen.“ Aber hey: „Das wird ‘ne richtig coole Geschichte, die Atmosphäre wird an die WM 2006 erinnern.“ Bierhoff sieht auch den logistischen Aspekt: Eine Reise nach Budapest, die bei der fixen Qualifikation Ungarns erforderlich gewesen wäre, entfällt zugunsten Münchens. „Jeder Flug weniger bedeutet weniger Strapazen.“ Wobei bustechnisch das DFB-Basecamp in Herzogenaurach bei Nürnberg auch nicht optimal gelegen ist. Die Vorbereitung wird in Seefeld/Tirol stattfinden.
Die Auslosung der sechs EM-Gruppen findet am 30. November in Bukarest statt. Deutschland ist in Topf eins und wird Kopf der Gruppe F sein. Was man jetzt weiß: wen man nicht als Gegner bekommen kann in der Vorrunde. Nämlich Italien, Russland, Dänemark, Niederlande, Rumänien, England, Schotttland, Spanien, Irland. Signifikant steigt also die Chance, Österreich zu treffen, das eine der bis jetzt 20 qualifizierten Nationen ist. Deutschland – Österreich in München, für den Standort wäre es das Optimum. Aber für alle Beteiligten eben komisch: Bundesliga pur mit Nationaltrikots. GÜNTER KLEIN