München – Als Maodo Lo langsam auf ihn zudribbelte, wusste Taylor Rochestie, der erfahrene Basketballer von Olympiakos Piräus, genau, was passieren wird, verhindern konnte er es aber nicht. Er musste also mitansehen, wie sich Lo, der flinke Guard des FC Bayern, den Ball zwischen den eigenen Beinen hindurchspielte, ehe er mit einem flotten Schritt zurückhüpfte, hinter die Dreipunktelinie, und den Ball einfach über den armen Rochestie warf, hinein in den Korb.
Am Mittwochabend hat Lo, 26, der deutsche Nationalspieler, vor den Fans in München mal wieder gezeigt, wie sehr er sich im Vergleich zur Vorsaison entwickelt hat. Mit 19 Punkten und sieben Vorlagen führte er die Bayern zu einem aufregenden 85:82-Sieg gegen Piräus, dem ersten überhaupt gegen die Griechen. Im letzten Viertel, als die Bayern 30 erzielten und nur 19 zuließen, dirigierte und kontrollierte Lo fast jeden Angriff. In diesen finalen zehn Minuten sammelte er zwölf Zähler, fünf Vorlagen, klaute in der Abwehr sogar einmal den Ball. Wenn er den Ball berührte, grölten die Fans – erst recht, als er über Rochestie und nur einen Angriff später über den 2,05 Meter großen Georgios Printezis warf. Sein Trainer Dejan Radonjic sagte hinterher, dass Lo „viel, viel besser“ spielt als in der vergangenen Saison. In dieser Hinrunde vertraut Radonjic Lo. Man könnte jedoch auch sagen: Er muss ihm vertrauen.
Dass Lo seine Mannschaft in den ersten Saisonwochen mit Einzelaktionen im Angriff regelmäßig wiederbelebt, spricht für ihn, nicht aber unbedingt für den Kader der Bayern. Natürlich muss man auf die verletzten T.J. Bray, Josh Huestis und inzwischen auch Nihad Djedovic verweisen – letzterer soll immerhin schon unter Umständen am Freitag im Heimspiel gegen Panathinaikos Athen auflaufen können –, aber gerade in der Euroleague fehlt es den Bayern derzeit einfach an Spielern, die sich abheben. Das offenbarte sich im letzten Viertel gegen Piräus. Radonjic setzte in diesem fast nur auf eine Aufstellung. Jene Formation mit Lo (28:58 Minuten), Paul Zipser (30:47), Vladimir Lucic (30:26), Danilo Barthel (31:02) und Greg Monroe (28:36) ließ er ohnehin auffällig viel spielen. Er habe sich dabei „etwas Taktisches“ gedacht, so Radonjic, was genau, wollte er auf Nachfrage aber nicht verraten. Naja, egal, ob aus taktischen Gründen oder aus Alternativlosigkeit, der Plan ging auf: In der Euroleague stehen die Bayern nun bei vier Niederlagen und fünf Siegen – und können ihre Bilanz am Freitag ausgleichen. cfm