Modernisierer auf Abschiedstour

von Redaktion

Die 68. Vierschanzentournee ist die letzte für Walter Hofer als Renndirektor der FIS

VON PATRICK REICHELT

Garmisch-Partenkirchen – Wer Skispringen verfolgt, der hat diese Bilder mit Sicherheit schon des Öfteren gesehen. Von jenem Mann mit dem so undefinierbaren Alter, der unheilsschwer in Richtung Hang blickt. Es sind Bilder, die ungefähr so viel Gutes verheißen, wie der Blick in den Kölner Videokeller bei einer Fußballübertragung. Wenn Walter Hofer im Bild zu sehen ist, dann liegt an der Schanze Unheil in der Luft.

Der Mann ist Renndirektor des Weltverbandes FIS. Nein, eigentlich ist weit mehr als das. Er ist der Walter Hofer der FIS, die Institution, die für den reibungslosen Ablauf der Auftritte von Karl Geiger, Ryoyu Kobayashi & Co. sorgt. Zumindest im Moment ist das noch so., auch bei der 68. Vierschanzentournee. Doch dieser 28. Winter ist der letzte des Kärntners im Amt. Nach dem Saisonfinale in Planica macht er Schluss. Eine Entscheidung, auf die der 64-Jährige stolz ist, wie er dieser Tage der „SZ“ verriet. „Ich muss nicht weitermachen, bis jemand fragt: ’Was tut der Alte mit der Schaufel da draußen?“ Zugegeben, das würde Hofer auch nicht gerecht. Immerhin ist der Österreicher ein Mann, der ziemlich viel Anteil daran hat, dass das Skispringen heute eine moderne und neben Biathlon die mit Abstand populärste Wintersportdisziplin ist.

Und das ist schon eine ganze Menge für einen ausgemachten Quereinsteiger. Verwaltungsbeamter bei der Bahn ist Hofer mal gewesen. Bis er zu dem Schluss gekommen ist, dass das Leben mehr bieten sollte. Walter Hofer, der eigentlich gar nicht Walter sondern Johann Hofer heißt, ´hatte sein Schlüsselerlebnis 1985. Bei der Nordischen WM in Seefeld durfte er als Masseur des österreichischen Teams mitmachen. „Eine geniale Erfahrung“, wie er noch heute sagt.

Hofer studierte Sport, wurde erst Konditionstrainer in Österreich, dann Assistenzcoach der Deutschen. Bis die FIS ihn entdeckte. Und es zeigte sich schnell: Es war das Glück für die FIS und es war das Glück für Walter Hofer, der sich daran machte, eine verstaubte Disziplin aufzupolieren. Die Begrenzung der Teilnehmerfelder, die Windregel, die grüne Laserlinie, mit der die Führungsweite für die Zuschauer sichtbar gemacht wird – es waren vor allem seine Ideen, die Skispringen zu einer modernen und telegenen Sportart machten. Dass Hofer sich dabei auch gerne selbst medienwirksam inszenierte – zumindest beim Verband sah man es ihm gerne nach.

Zumal man Hofer nicht nachsagen kann, dass er den Kern der Sache, die Athleten, je aus den Augen verloren hätte. Das ist auch jetzt so. Als die Reihe der schweren Knieverletzungen in der Szene immer länger wurde, gehörte Hofer zu den ersten, die den Finger hoben. Und der Noch-Renndirektor will auch die Regel-Reform mitgestalten, auf die nicht zuletzt DSV-Sportdirektor Horst Hüttel und Norwegens Trainer Alexander Stöckl drängen. „Auch wenn der Walter dann nicht mehr offiziell im Amt ist, wird er den Prozess begleiten“, sagte Hüttel zuletzt in Oberstdorf.

Und dabei wird es nicht bleiben, dessen sind sich Hofers langjährige Wegbegleiter sicher. Leute wie Deutschlands Bundestrainer Stefan Horngacher. „Ganz abtreten wird der Walter sowieso nicht“, sagte der 50-Jährige. Nur auf dem Bildschirm wird man Hofer wohl nur noch selten sehen.

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