„Die Welt hat so ein Zeichen gebraucht“

von Redaktion

Das sagt Europa über den Neustart der Fußball-Bundesliga: Viel Zustimmung, aber auch Restzweifel

München – Manuel Neuer hat es auf den Punkt gebracht. „Wir tragen das Trikot der Vorbilder“, so der Kapitän des FC Bayern in der „FAZ“. Gemeint ist der Neustart der Bundesliga, die kommende Woche als erste große Liga Europas den Schritt zurück in die Stadien wagt. Wenn am Sonntag in einer Woche der FC Bayern bei Union Berlin aufläuft, wird die Welt vor dem Fernseher sitzen – der eine Teil mit freudiger, der andere mit sorgenerfüllter Miene. Unsere Zeitung hat sich im Ausland umgehört. Das sagen Journalisten führender Medien über das Bundesliga-Comeback: Aritz Gabilondo („AS“, Spanien): „Für alle Fans ist das eine tolle Nachricht. Ob der Schritt auch richtig war, wird sich erst noch zeigen. Die jüngsten Fälle in Köln, Gladbach oder Aue, wo die ganze Mannschaft in Quarantäne musste, bereiten uns Sorgen. Es bleibt ein Drahtseilakt. Aber: Wenn die deutsche Regierung den Finger hebt, dann, weil sie es für ein den Umständen entsprechend sicheres Unterfangen hält. Das Signal ist durchweg positiv, Restzweifel bleiben aber.“ Mirko Calemme („Calciomercato“, Italien): „Ich habe mich unheimlich über die Nachricht gefreut. Die Welt hat so ein Zeichen gebraucht. Auch wir Italiener beobachten, wie sich unsere Nachbarn in der Krise verhalten. Als die französische Liga für beendet erklärt wurde, wollte unser Sportminister direkt nachziehen. Dass Deutschland nun grünes Licht gibt, wird sich sicherlich positiv auf die Entscheidung über die Serie A auswirken. Das Leben – dazu gehört auch der Fußball – muss wieder hochgefahren werden.“ Alexis Menuge („L’Équipe“, Frankreich): „Eine tolle Nachricht, mit der ich nicht so schnell gerechnet habe. Es wirkt alles ein wenig überhastet und auch gefährlich mit Blick auf das Verletzungsrisiko, wenn bereits in einer Woche wieder gespielt wird. Aber es bleibt keine Zeit, wenn die Saison bis 30. Juni durch sein soll. Trotzdem: Chapeau vor der DFL und ihrer Taskforce, ihre Arbeit sollte auch unserer Liga in Frankreich als Vorbild dienen. Dass die Ligue 1 ihre Saison als erste große Liga für beendet erklärt hat, wird sie noch bereuen. Sollten Spanien, Italien und England dem deutschen Beispiel folgen, schauen die Franzosen als Einzige zu – peinlich! Das Risiko ist da, klar. Aber ich bin mir sicher, dass Sorge getragen wird, dass alles sicher ist und die Bundesliga für diesen Schritt auf der ganzen Welt bewundert wird. Sie ist der große Gewinner.“

Sergio Krithinas („Record“, Portugal): „Wie so oft geht Deutschland voran. Für Europa wird die Bundesliga nun zum Zeichen der Hoffnung – und auch wenn es zuletzt den ein oder anderen positiven Fall in den Teams gab, darf der Fußball jetzt nicht nachgeben. Wir alle müssen langsam, aber sicher wieder anfangen zu leben und unsere Bunker verlassen. Ganz zu schweigen von der Signalwirkung, die es für den Rest Europas hätte, wenn Deutschland jetzt doch noch zurückzieht. In Portugal soll die Liga ebenfalls Ende Mai wieder fortgesetzt werden. Sollte in der Bundesliga etwas schief- laufen, wird sich das mit Sicherheit auch auf uns auswirken. Daher drücken wir Portugiesen euch Deutschen die Daumen. Wir spielen jetzt alle in derselben Mannschaft.“ Simon Mullock („Sunday Mirror“, England): „Die Nachricht über die Rückkehr der Bundesliga macht uns Hoffnung, dass es auch mit der Premier League kommenden Monat weitergeht. Alles andere wäre ein Drama. Das Coronavirus hat uns nämlich vor Augen geführt, dass die reichste Liga der Welt auf einem finanziellen Fundament gebaut ist, das in etwa so solide ist wie Treibsand. Sollten die ausstehenden TV-Gelder aufgrund eines Abbruchs nicht ausgeschüttet werden können, so würden auch sämtliche Clubs aus der Premier League in schwere Existenznöte geraten. Der Grund: Die Elite bei uns auf der Insel ist immer noch der Meinung, dass sie mehr Geld ausgeben kann, als sie in Wahrheit hat. Ganz zu schweigen von den Clubs in den unteren Ligen, die bereits Spieler entlassen mussten. England will dem deutschen Modell folgen, könnte sich jedoch auch an den Abbrüchen in Frankreich und Holland orientieren. Sollen Tests anstelle von Ärzten für Fußballprofis verwendet werden? Was, wenn ein Spieler erkrankt? Egal, es geht ja schließlich nur ums Geld.“  lop

Artikel 5 von 11