Bob Hanning hat es gern, wenn er auffällt. Dafür setzt er zum Beispiel gezielt spektakuläre optische Reize. Seine Pullover und Hemden, die meist an Faschingskostüme erinnern, sind längst zu seinem Markenzeichen geworden. Und auch verbal versteht es der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Aufsehen zu erregen. Zuletzt ist ihm das kurz nach der WM in Katar gelungen. Da sah sich Hanning doch tatsächlich dazu inspiriert, schon mal ein verwegenes Olympia-Ziel in die Sportwelt hinauszuposaunen: Gold in Tokio! Die stramme Ansage hat nicht zuletzt Zweifel an Hannings Realitätssinn geweckt. Und es stellte sich zudem die Frage, ob dem deutschen Handball mit solcherart Zweckoptimismus groß geholfen ist? Nicht von ungefähr hat sich nun Frank Bohmann, Chef der Bundesliga, von Hannings Wunschträumen mit deutlichen Worten distanziert. „Das darf man nicht“, sagte er zu Hannings Erklärungen.
Ist ja auch beim besten Willen nicht nachvollziehbar, wie nach dem historisch schlechtesten WM-Abschneiden (12. Platz) der Plan ersonnen werden kann, nun müsse halt der Olympiasieg her. Übersteigerte Erwartungen sind noch nie sonderlich hilfreich gewesen, um sportliche Höchstleistungen zu vollbringen. Und wer gerade bitteres Scheitern erlebte, tut am besten daran, sich erst einmal in Bescheidenheit zu üben.
Sicher, die deutschen Handballer mussten in Katar mit stark ersatzgeschwächtem Personal antreten, und wenn die schmerzlich vermissten Leistungsträger zurück sind, ist dem Nationalteam unter der Regie des Trainerfuchses Alfred Gislasson zuzutrauen, wieder Anschluss ans Weltniveau zu finden. Allerdings gilt es dabei zu bedenken: Bei den vorangegangenen vier großen Turnieren (EM und WM) reichte es auch in besserer Besetzung nicht zu einer Medaille. Die letzten großen Erfolge stammen aus dem Jahr 2016: EM-Titel und Olympia-Bronze.
Zudem sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass die deutschen Handballer noch gar nicht die Teilnahmevoraussetzungen für die Spiele erfüllt haben. Mitte März muss die DHB-Auswahl durch die Mühle eines Qualifikationsturniers in Berlin: Auf dem Programm stehen drei Spiele in drei Tagen – mit den Gegnern Schweden, Slowenien und Algerien. Nur die ersten Zwei erhalten das Tokio-Ticket. Auch wenn es Hanning nicht glauben mag: Hier zu bestehen, ist schwer genug.
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