Essen – Die geschockten Stars von Bayer Leverkusen flüchteten nach ihrer Pokal-Blamage in die Kabine, die Sensationssieger von Rot-Weiss Essen führten derweil wilde Jubeltänze auf: Nach der völlig überraschenden 1:2 (0:0)-Niederlage nach Verlängerung ist der Titeltraum des Vorjahresfinalisten schon im Achtelfinale geplatzt, der Außenseiter machte hingegen seinem Ruf als Pokalschreck alle Ehre und zog erstmals seit 27 Jahren ins Viertelfinale ein.
„Was wir als Mannschaft geleistet haben, ist unfassbar. Ich kann es nicht in Worte fassen“, sagte der überragende RWE-Torhüter Daniel Davari bei Sky: „Wir haben gekämpft wie die Löwen. Das Glück war auf unserer Seite.“
Leverkusen ging fahrlässig mit seinen vielen Chancen um, schien dank Leon Bailey (105.) aber dennoch auf Kurs zu sein. Doch Essen bewies Moral und jubelte nach Toren von Oguzhan Kefkir (108.) und Simon Engelmann (117.). Zuvor hatte der Außenseiter schon Arminia Bielefeld (1:0) und Zweitligist Fortuna Düsseldorf (3:2) ausgeschaltet.
Die Bayer-Elf wollte auf dem tiefen Rasen im Stadion an der Hafenstraße früh für klare Verhältnisse sorgen. Im 5-3-2-System des Regionalligisten fand der Bundesligist immer wieder Lücken. Jedoch: Der Ball wollte nicht rein. Bei Patrik Schicks (24.) Kopfball rettete der Pfosten für Essen, gegen den Flachschuss von Charles Aranguiz war erneut der bärenstarke Davari zur Stelle (29.).
Beim lange besten offensiven Vorstoß des Außenseiters hatte Fosu-Mensah Glück, dass sein Trikotziehen gegen den davon eilenden Torjäger Engelmann ungeahndet blieb. RWE-Kapitän Marco Kehl-Gomez verzog bei der besten Essener Chance in der Folge knapp (40.). Nach der nächsten verpassten Großchance des für den verletzten Karim Bellarabi eingewechselten Moussa Diaby (45.+1) ging Essen äußerst glücklich mit dem Remis in die Pause.
Bayer-Trainer Peter Bosz reagierte und brachte in Jungstar Florian Wirtz und Wendell frische Kräfte; das Chancenfestival ging weiter: Diaby traf den Außenpfosten (50.), Tapsoba scheiterte per Kopf am RWE-Torhüter (52.), den auch Wirtz (68.) nicht bezwingen konnte. Diaby und Aranguiz scheiterten bei ihrer Doppelchance am Pfosten und an Davari (89.).
Auch in der Verlängerung spielte zunächst nur Leverkusen, Essen verteidigte bei immer schlechter werdenden Platzverhältnissen. Baileys Treffer schien die Entscheidung zu sein, doch Essen schlug zurück. Lukas Hradecky machte dabei keine gute Figur. Dann sorgte Engelmann für die Sensation. sid