Sie haben die Domtürme fast schon sehen können. Doch nun ist die Europareise der Basketballer des FC Bayern also doch vor den Toren des Traumziels Köln zu Ende gegangen. Das Team von Trainer Andrea Trinchieri muss zuschauen, wenn demnächst andere am Rhein um Europas Krone spielen. Titelverteidiger ZSKA Moskau, Efes Istanbul, der FC Barcelona und eben die stark aufgerüsteten Mailänder. Die üblichen Verdächtigen eben.
Das Aus im Viertelfinale wird die Münchner noch eine Weile schmerzen. Immerhin war man dem großen Wurf auch in diesem ultimativen fünften Duell gegen einen starken Gegner noch einmal sehr nahe gekommen. Der Stolz auf eine grandiose Saison im Kreis der Besten des Kontinents, die man – abgesehen von Ex-Champion Real Madrid – allesamt mindestens einmal bezwang, wird später kommen.
Und wer weiß, vielleicht hat es ja auch seine Vorteile, dass es diesmal noch nicht zum allerletzten Schritt gereicht hat. Kurzfristig ganz sicher. Für die Bayern ist es mit Fortdauer dieser Saison zunehmend schwieriger geworden, nationale und internationale Ambitionen in Einklang zu bringen. Zwei Spieltage vor dem Hauptrundenende stehen für die Münchner acht Niederlagen in der Bundesliga zu Buche – so viele hatte man letztmals in der Saison 2015/16 kassiert. Doch nun kann man die Kräfte auf die nationalen Titelentscheidungen konzentrieren. Auf das Pokalfinale in heimischer Halle und die darauf folgenden Playoffs. Um die Saison am Ende mit zumindest einer Trophäe abzurunden.
Und international? Passt es irgendwie, dass man nun noch nicht nach ganz oben durchgestartet ist. Die Bayern haben die Szene nicht im Handstreich erobert, wie viele einst nach der Entscheidung pro Profi-Basketball an der Säbener Straße erwartet hatten. Zehn Jahre vergingen vom BBL-Aufstieg bis in die Euroleague-Playoffs. Eine Dekade, in der man sich trotz gelegentlicher Rückschläge kontinuierlich weiterentwickelte. Man hat im Hintergrund die Basis, die Strukturen geschaffen – bessere als viele der etablierten Schwergewichte. Und nun haben die Bayern auch den Beweis angetreten, dass sie mittlerweile sportlich das Zeug haben, mit den Größten des Kontinents mitzuhalten. Man ahnt: Das wird kein Einzelfall bleiben. Irgendwann, wohl schon bald, wird das diesmal knapp verpasste Final Four folgen.
patrick.reichelt@ovb.net