München – Wahrscheinlich hat diese Saison in Europa so enden müssen für die Basketballer des FC Bayern. Immerhin hatte alles mit einer dramatischen Niederlage gegen Olimpia Mailand begonnen. Und nun endete sie also auch mit einem Drama, einer 89:92-Niederlage gegen die Lombarden. Die Protagonisten selbst haderten erst einmal: Wo hatte man ihn nur liegen gelassen, den so greifbar nahen, noch größeren Wurf? Eine sinnvolle Antwort wollte niemandem einfallen. So wie Paul Zipser, der murrte: „Das ist bitter.“
Da half auch der Zuspruch aus der Heimat nur bedingt. Der von Clubchef Herbert Hainer zum Beispiel, der übermittelte, wie „wahnsinnig stolz“ er sei. „Diese begeisternde Euroleague-Reise war ein Meilenstein für unseren Verein“. Geschäftsführer Marko Pesic war derweil sogar stolz darauf, dass „die Mannschaft uns gestattet hat, diese Gefühle mitzuerleben.“
Zur Erinnerung: Gerade einmal ein Jahr ist es her , seit die Bayern in der Euroleague vor allem Prügelknaben waren. Und nun? Sammelten die Münchner auf der am Dienstag zu Ende gegangenen Reise 23 Siege in 39 Partien ein, werden als fünftbestes Team Europas in die Geschichte dieses Jahres eingehen. „Das ist eine Ansage für die Zukunft. Mit Bayern muss man rechnen“, sagte auch Pesics Vater Svetislav, für den das Aus irgendwie in die Gesamtentwicklung des Vereins passte: „Bayern hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Das ist gut, ich gehe auch lieber über die Treppe als mit dem Aufzug nach Hause.“ Wobei aber auch Pesic den verpassten Chancen nachtrauerte: „So eine Chance kriegst du nicht jedes Jahr.“
Doch: Auch dieser Euro-Kater wird bald verflogen sein. Die nächsten Aufgaben in der Heimat folgen bald mit Pokal und BBL-Playoffs, wie Center-Ass Jalen Reynolds anmahnte: „Wir müssen auf das schauen, was vor uns liegt.“ Auch Svetislav Pesic findet das essenziell: „Es wäre schon wichtig, diesen Erfolg mit einem Titel zu bestätigen.“
Und dann? Viele Bayern wie die Spielmacher Wade Baldwin und Zan Mark Sisko oder auch die derzeit verletzte Allzweck-Waffe Nick Weiler-Babb sind noch jung und nun um viele wertvolle Erfahrungen weiter. Doch kann Trainer Andrea Trinchieri sein Ensemble der Drama-Spezialisten weiter entwickeln? Wenn er denn überhaupt selbst an Bord bleibt – offiziell hat sich der Italiener ja noch nicht zu seiner Zukunft geäußert.
Lockrufe für seine Leistungsträger werden kommen. Da macht sich auch Kaderplaner Daniele Baiesi, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, keine Illusionen. Gerade bei Baldwin klingt der Sportchef nicht nach überbordendem Optimismus: „Ich denke nicht, dass das in unseren Händen liegt.“
Wobei die Bayern sicherlich auch selbst versuchen werden, mit Blick auf die nächste Spielzeit nachzujustieren. So fehlte der Mannschaft nicht zuletzt auch in Mailand zumindest ein stabiler Distanzschütze. Über die ganze Saison hinweg, sammelten die Spieler um Co-Kapitän Vladimir Lucic 281 Dreier ein, so wenige wie kein anderes Team in der Königsklasse. Zum Vergleich: Mailand als Nummer vier der Euroleague traf 365 Mal von der Dreierlinie. Im fünften Viertelfinale stand am Ende ein 12:7 – glatte 15 Punkte mehr, die das von Mode-Zar Giorgio Armani alimentierte Team verbuchen konnte.
Nicht zu vergessen der Faktor Erfahrung. In James Gist hatten die Bayern nur einen einzigen Akteur in den Reihen, der auch nur die Situation von Euroleague-Playoffs schon kannte. Was für ein Unterschied etwa zum viermaligen Euroleague-Champion Kyle Hines, der seit neun Jahren kein Final-Four-Turnier verpasste. Der frühere Bamberger war es dann ja auch, der sieben Sekunden vor dem Ende Wade Baldwin fürchterlich abblockte und damit auch die letzte große Hoffnung der Münchner zunichtemachte.