Die Giftpfeile fliegen schärfer denn je, die Schlammschlacht der zerstrittenen DFB-Führung wird immer schmutziger – nur einer schweigt (noch): Fritz Keller. Dabei ist es der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, der nach seinem unsäglichen Nazi-Vergleich eigentlich besonders im Fokus stehen müsste. Doch die Spitzenfunktionäre verlieren sich in immer mehr Nebenkriegsschauplätzen, sogar die DFL mischt nun mit – der deutsche Fußball gibt mit seinem unwürdigen Schmierentheater gut einen Monat vor der EM ein desaströses Bild ab. Zwar wird dieser Tage eine öffentliche Erklärung Kellers erwartet. Dem Vernehmen nach ist ein sofortiger Rücktritt des 64-Jährigen mittlerweile aber unwahrscheinlich, er will sich vor dem DFB-Sportgericht erklären. Doch längst geht es beim DFB eben nicht nur um die Personalie Keller, die Führung ist komplett zerrissen.
Das zeigte nun der pikante Briefwechsel zwischen dem immer umstritteneren DFB-Vizepräsidenten Koch und Christian Seifert, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) und wichtigstem Wortführer des Profifußballs. Deren gegenseitigen Schuldzuweisungen bedeuteten eine neue Eskalationsstufe. Mit einem achtseitigen Schreiben antwortete Koch in aller Schärfe auf einen Brief Seiferts. Er klagte darin „verbale Ausfälle Ihrerseits mir gegenüber in Präsidiumssitzungen“ an, in der vergangenen Sitzung habe sich „nicht nur Herr Keller mir gegenüber unsäglich verhalten“. Und die vorangegangenen Anschuldigungen Seiferts seien „frei erfunden“, schrieb Koch.