Nach rassistischer Entgleisung: Hertha wirft Lehmann raus

von Redaktion

Ex-Keeper bezeichnete Aogo als „Quotenschwarzen“– Seinen Posten beim Hauptstadtclub ist er nun los

Berlin – Über seine wirren Theorien in der Corona-Pandemie sahen Hertha BSC und Investor Lars Windhorst noch hinweg, doch mit der neuerlichen Entgleisung war die Grenze überschritten: Mit einer rassistischen Whats-App-Nachricht hat sich Jens Lehmann beim Hauptstadtclub selbst disqualifiziert. „Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer?“, stand in der mit einem lachenden Smiley versehenen Nachricht von Lehmann, die Sky-Experte Dennis Aogo (34) bei Instagram veröffentlichte.

„WOW, dein Ernst? Die Nachricht war wohl nicht an mich gedacht!!!“, schrieb Aogo dazu. Die Botschaft ließ nicht nur ihn fassungslos zurück, der Aufschrei war gewaltig – und die Konsequenzen für den einstigen Fußball-Nationaltorhüter ließen nicht lange auf sich warten. „Wir haben den Beratervertrag mit Jens Lehmann aufgelöst. Damit ist auch seine Tätigkeit im Aufsichtsrat von Hertha BSC beendet“, sagte Sprecher Andreas Fritzenkötter von der Tennor Holding nur Stunden später.

Dabei hatte Tennor-Chef und Hertha-Investor Lars Windhorst gerade in Lehmann große Hoffnungen gesetzt. Lehmann sollte als sein Interessenvertreter die nötige sportliche Kompetenz in den Aufsichtsrat einbringen und so entscheidend zur geplanten Entwicklung zu einer Spitzenmannschaft beitragen. Doch nun hielt Windhorst den 51-Jährigen offenbar nicht mehr für tragbar – da half auch Lehmanns Entschuldigung nichts. Gegenüber der „Bild“-Zeitung versicherte Lehmann, die Nachricht sei „überhaupt nicht so gemeint“ gewesen, „sondern positiv“. Es sei von ihm „unglücklich ausgedrückt“ gewesen: „Da die WhatsApp von meinem Handy rausging, übernehme ich die Verantwortung dafür. Es war eine private Nachricht.“ Er habe sich mittlerweile bei Aogo entschuldigt.

Wie gestern Abend bekannt wurde, hat Aogo die Entschuldigung angenommen. „Ich habe mit ihm zweimal telefoniert. Ich habe ihm abgenommen, dass es ihm leid tut. Ich fand nicht gut, was er geschrieben hat, auch die Formulierung nicht, und finde das ein Stück weit respektlos“, sagte der frühere Nationalspieler. Allerdings wolle er auch betonen: „Jeder Mensch macht Fehler, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Und ich finde es nicht richtig, wie sich alle jetzt auf ihn stürzen. Für mich ist das Thema erledigt.“

Anders hörte sich die Einschätzung auf Seiten der Hertha an. „Solche Einlassungen entsprechen in keiner Weise den Werten, für die Hertha BSC steht und sich aktiv einsetzt“, teilte Präsident Werner Gegenbauer mit: „Hertha BSC distanziert sich von jeglicher Form von Rassismus. Wir begrüßen daher den Schritt der Tennor Holding.“

Der Verein hatte bereits zuletzt im Kampf gegen Diskriminierung klare Kante gezeigt. Torwarttrainer Zsolt Petry war Anfang April nach umstrittenen Aussagen zu den Themen Homosexualität und Migration mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Generell kommt der Hauptstadtclub in dieser Spielzeit überhaupt nicht zur Ruhe. Sportlich kämpft die Hertha um den Klassenerhalt – und es gibt etliche Brennpunkte neben dem Platz. Trainerwechsel, der Abschied von Michael Preetz, die sich ewig hinziehende Verpflichtung des neuen Sportvorstands Fredi Bobic, die Entlassung von Petry, Corona-Quarantäne im Saisonendspurt – und jetzt eben Lehmann.

2020 hatten bereits dessen Äußerungen in der Coronakrise für Verwunderung bei Hertha gesorgt. Einen Tweet, in dem Covid-19 tendenziell verharmlost wurde, musste Lehmann sogar löschen. Mit seiner „Quotenschwarzer“-Äußerung könnte er sich nun in der Fußballbranche endgültig ins Abseits gestellt haben. Sky-Sportchef Charly Classen teilte mit, man plane, Lehmann „nicht mehr als Gast in unsere Sendungen einzuladen“. Und nicht nur Sky könnte das künftig so handhaben.  sid

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