Stiller Abschied des spanischen Schattenmannes

von Redaktion

Mit Javi Martinez verlässt der erfolgreichste Titelsammler im aktuellen Kader den FC Bayern

München – Noch drei Spiele, dann geht beim Rekordmeister eine Ära zu Ende. Nach neun Jahren bei Bayern verabschiedet sich der Spieler mit der größten Titelsammlung in den Reihen des Rekordmeisters. Die Rede ist nicht etwa von David Alaba oder Jerome Boateng, deren Zeit in der Allianz Arena nach sogar zehn Jahren Vereinstreue ebenfalls zu Ende geht, sondern von Javi Martinez.

Der Vertrag des 32 Jahre alten Spaniers in München endet leise und wird – so machte es der Club am Dienstag auf seiner Webseite offiziell – nicht verlängert. Javi sagt adiós. Aller Voraussicht nach mit wenigen Abschiedsminuten auf dem Platz, seiner neunten deutschen Meisterschaft und dem traditionellen Blumenstrauß aus den Händen der Bosse. Wohl eine Spur zu unmerklich für einen Spieler, der in München Legendenstatus erreicht hat.

Das liegt paradoxerweise insbesondere daran, dass Martinez nie Protagonist war. Der Sechser aus Navarra war vielmehr stiller Arbeiter, unermüdlicher Kämpfer und, im Nachhinein betrachtet, das fehlende Puzzlestück, das die Bayern seinerzeit vom Jäger in Europa zum Gejagten machte. Arjen Robben wird für seinen Treffer im CL-Finale 2013 als Wembley-Held in die Geschichte eingehen. Wer sich die Partie heute, mit etwas Abstand, noch einmal zu Gemüte führt, wird verstehen, dass es keine Helden gegeben hätte ohne den spanischen Schattenmann auf der Doppelsechs neben Bastian Schweinsteiger. Jenes Spiel zeichnete den Beginn der goldensten Ära in Bayerns Geschichte. 266 Spiele (plus x) und wohl 24 Titel (plus Welt- und Europameisterschaft mit dem spanischen Nationalteam) später endet nun Javis Ära in München.

„Ich bin sehr stolz und glücklich, dass ich neun Jahre lang Teil der FC Bayern-Familie sein durfte“, wurde der Iberer auf der Internetseite des Vereins zitiert. „Ich möchte mich bei diesem großartigen Verein und vor allem bei unseren Fans bedanken – Ihr habt München zu meiner Heimat gemacht! Diese neun Jahre werde ich nie vergessen. Schon am ersten Tag habe ich das ,Mia san mia’ und das Besondere am FC Bayern gespürt.“

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge fügte an: „Es war eine schwierige Entscheidung, als wir Javi Martinez im Sommer 2012 geholt haben, weil die Ablöse von damals 40 Millionen Euro eine absolute Rekordsumme für uns dargestellt hat. Die Entscheidung war goldrichtig.“

Und nun steht für Martinez eine durch und durch knifflige Entscheidung an. Die Frage, mit der er sich auseinandersetzen muss, lautet: Wohin geht die Reise? Athletic Bilbao befindet sich erneut im Rennen um die Dienste seines ehemaligen Angestellten – die wohl romantischste Option für Martínez’ Karriereausklang, die wie vergangenes Jahr erneut an den finanziellen Randaspekten zu scheitern droht.

Javi ist zwar ablösefrei zu haben, speziell im Vergleich zu seinem Münchner Gehalt müsste der Mittelfeldspieler aber auch weiterhin bedeutende Abstriche machen, wenn er zurück ins Baskenland will. Asien oder USA sind die anderen Optionen. Dort gibt es mit Sicherheit mehr Geld, von der ganz großen Bühne würde sich Martinez in diesem Fall jedoch verabschieden. JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ

Artikel 3 von 11