Das Ende eines langen Kampfes

von Redaktion

Der frühere Motorradpilot Reinhold Roth stirbt 31 Jahre nach seinem Rennunfall, der ihn zum Pflegefall machte

VON KLAUS-ECKART JOST

München – Die Parallelen sind unverkennbar. Dies war Elfriede Roth sofort klar, als sie Ende 2013 vom Skiunfall von Michael Schumacher gehört hatte und die dramatischen Konsequenzen bekannt wurden. Da kamen sofort Erinnerungen an den Unfall ihres Mannes Reinhold Roth auf.

Der Oberschwabe aus Amtzell war am 17. Juni 1990 bei einem Motorrad-Rennen in Rijeka verunglückt. Der zweimalige 250er-Vize-Weltmeister war einem Konkurrenten beim Überholen auf dessen Motorrad geprallt. Die Ärzte diagnostizierten ein Schädel-Hirn-Trauma. Weil die medizinische Versorgung vor Ort schlecht war, blieb Roth fünfeinhalb Minuten ohne Sauerstoff. Die Ärzte gaben dem damals 37-Jährigen nur zehn Prozent Überlebenschance.

„Michael Schumachers Frau durchlebt wirklich die gleichen Gefühle, die ich auch durchlebt habe“, erzählte Elfriede Roth in einer Talkshow. Beide Motorsportler wurden zum Pflegefall. Sowohl bei Schumacher als auch bei Roth mussten die Ehefrauen Corinna Schumacher und Elfriede Roth das Leben nach dem Schicksalsschlag völlig neu organisieren. Und neben der Pflege mussten beide dafür sorgen, dass die Kinder nicht zu kurz kommen. Einerseits Gina-Maria und Mick Schumacher, andererseits Matthias Roth, der damals gerade sechs Jahre alt war. Elfriede Roth sagte später: „Ich habe unser Leben ganz gut gemeistert.“

Während Corinna Schumacher ihren pflegebedürftigen Ehemann komplett vor der Öffentlichkeit abschirmt, ging Elfriede Roth damit sehr offen um. Was auch damit zu tun hatte, dass im Gegensatz zum Rekord-Formel-1-Weltmeister ihr Mann „nur“ zweimaliger Motorrad-Vize-Weltmeister war. Das mediale Interesse war somit leichter zu handhaben. Und so sprach Elfriede Roth auch mit Journalisten ausführlich über die gesundheitlichen Fortschritte ihres Mannes. Etwa, dass er nach sieben Jahren wieder ein Wort gesprochen habe. Und als er sitzen konnte, wurde er jeden Tag im Rollstuhl spazierengeschoben. Aber sie gestand auch: „Die ersten drei Jahre waren hart, zuerst funktionierst du nur.“

Große Unterstützung fand Elfriede Roth in ihrer Familie und im Glauben, wie sie regelmäßig sagte. Niemals hat sie mit ihrem Schicksal gehadert. Oder den Beruf ihres Mannes verdammt. „Wir haben 16 wunderschöne Jahre miteinander verbracht“, sagt sie noch heute, „und er hat mir so viel geboten, da müssen andere 80 Jahre alt werden und haben dann nicht so intensiv gelebt wie wir.“

Noch vor dem Unfall hatte Familie Roth ein Grundstück in Amtzell. Der Baubeginn des Hauses im mediterranen Stil war danach. Für Reinhold Roth wurde ein eigener Bereich angelegt. An der Wand hing seine gelb-weiße Lederkombi, auf einem Regal standen einige seiner Pokale. Und es gab Zimmer für die Physio- und Ergotherapie. „Ich wollte, dass Reinhold jeden Tag gefordert wird“, sagte sie. Und der ehemalige Sportler hat die Herausforderung angenommen.

Herausfordernd war schon der Beginn seiner Laufbahn. Er musste mit wenig Geld klarkommen und immer wieder Rückschläge einstecken, weil er kein konkurrenzfähiges Material bekommen hatte. Erst als er 1987 dank der Unterstützung eines Sponsors zum Werksfahrer aufstieg, avancierte er zum Siegfahrer. Seinen mühevollen Aufstieg hat er nie vergessen, für die Fans nahm er sich immer Zeit.

Gerne erzählte Elfriede Roth von einem Traum. „Da war ein großes Maisfeld, er steht an der Türe, Gott vor ihm. Matthias und ich stehen weit weg, wie so kleine Pünktchen – und dann schickt Gott ihn zurück zu uns und Reinhold kommt mühsam, mit ganz kleinen Schritten auf uns zu. Das war unser Leben nach dem Unfall: viele kleine Schritte und mühsam – vor allem für Reinhold.“

Am Freitag hat Reinhold Roth seinen langen Kampf verloren. Im Kreis seiner Familie ist er mit 68 Jahren friedlich eingeschlafen.

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