Auf Finale und Spiel um Platz drei freue ich mich. Sie beginnen um 18 Uhr Ortszeit. Die Halbfinals am Dienstag und Mittwoch fürchte ich. Sie werden um 22 Uhr angepfiffen. Mit den neuen Nachspielzeiten gehen sie also schon immer bis Mitternacht oder ein paar Minuten darüber hinaus, mit Verlängerung (mit zwei Nachspielzeiten) und Elfmeterschießen sind wir bei dreiviertel eins, eins. Mindestens eine weitere Stunde halten wir uns dann noch im Stadion auf, hören die Ausführungen der Trainer, nehmen Wortspenden der Spieler in der so genannten Mixed Zone entgegen. Nach Argentinien – Niederlande waren wir um 2.40 Uhr fertig. Mit der Arbeit und auch so – aber noch nicht „zu Hause“, also im Hotel. Ankunft dort: 4.40 Uhr. Zwar hätte uns die stadionnahe Metro in etwa 50 Minuten heimgebracht, doch dafür waren wir zu spät dran. Betriebsschluss der U-Bahn ist 3.00 Uhr. „Noch zehn Minuten, dann macht die Metro zu“, trieb eine Angestellte mit Megafon die noch immer Tausenden von Fans in der Schlange der Station Lusail vor sich her. Wir gingen den sicheren, aber weiteren Weg mit den Medien-Shuttlebussen. Mit Umsteigen. Wie gesagt: Bis 4.40 Uhr, kurz vor dem Morgenruf des Muezzins. Bei Frankreich – England am Samstag großes Glück. Nur reguläre Spielzeit. Im Hotel um 3.15 Uhr, mal richtig früh. Gespielt wurde in Al-Bayt. Wüste, keine Metro, nur Bus. Bei Overtime-Drama würde man der aufgehenden Sonne entgegenfahren. Am Mittwochabend ist dort Marokko – Frankreich. Und womöglich noch am Donnerstagmorgen. Angst! Der Biorhythmus hat sich komplett verschoben, 9.30 Uhr bis 3.30 (bisher 8.00 bis 24.00 Uhr) ist das neue Wach. Neulich lud am Nachmittag ein gut gepolstert anmutendes Sofa im „Host Country Media Center“ zu einer kleinen Auszeit, doch auf dem Couchtisch war ein Schild angebracht, das wir gerade noch sahen, bevor das Lid das Auge verschloss: „Schlafen ist nicht erlaubt.“ Das wahre WM-Motto.