München – Sonne, Pulverschnee und im Hintergrund eine Almhütte aus urigem Altholz. Das Vereinsgelände des TSV 1860 erfüllte am Montag die gängigen Alpenklischees, doch es waren nicht die Schneelöwen um Linus Straßer, die bei Minusgraden den Trainingsplatz betraten, sondern die Fußballer aus der 3. Liga, die sich eben noch an den Traumstränden dieser Welt geaalt hatten. 90 Minuten dauerte die erste Einheit der Wintervorbereitung, bei der Michael Köllner in weitgehend vollzählige Reihen blickte. Lediglich die Rekonvaleszenten Semi Belkahia (Knie) und Milos Cocic (Fuß) fehlten auf dem schneebefreiten Rasen – und Kapitän Stefan Lex, aus zunächst ungeklärter Ursache.
Am Sonntag hatte der Österreich-Urlauber noch eine Weihnachtsfeier mit seiner Anwesenheit bereichert. Auf Fotos, die ihn inmitten der Moosburger Löwen zeigen, wirkt er putzmunter – ein Eindruck, der täuschte. Gestern tauchte er erst vor der Interviewwand auf, als er eine längere Sitzung bei den Physios hinter sich hatte. Die Ursache? „Der Rücken“, sagte Lex und präzisierte: „Freitagmittag hab ich noch alle Läufe gemacht und gedacht, es geht mir gut. Freitagnachmittag hab ich dann auf einmal einen Hexenschuss gehabt.“ Zugezogen nicht beim Schneeschaufeln oder beim Toben mit den Kindern, sondern viel banaler: „Ich bin vom Stuhl aufgestanden, hab mich dabei ein bisschen gedreht – anscheinend hat das schon ausgereicht.“
Lex schaute gequält, als er von seinem Malheur berichtete – weniger, weil die Schmerzen so stark waren. Mehr wie ein Schüler, der schon ein paar Fehltage in seiner Akte stehen hat – was zur Folge hat, dass jede weitere Krankmeldung Überwindung kostet. Lex gab zu, dass es ihm alles andere als leicht gefallen sei, den Trainer anzurufen und seinen Hexenschuss zu beichten. „Erfreut wird er nicht sein“, dachte Lex – und sah sich bestätigt, als Köllner die erneute Lex-Auszeit zur Kenntnis nahm.
Aber: Schon in ein, zwei Tagen, schätzt Lex, dürfte der Rücken wieder geregeltes Training zulassen. Außerdem hält sein Knie, das ihn in der Hinrunde das eine oder andere Spiel gekostet hat. Es klingt im aktuellen Zusammenhang komisch, aber der 33-Jährige bestätigte, was er tags zuvor bei den Moosburg-Löwen angedeutet hatte: Dass er sich nun doch vorstellen kann, seine Karriere über die Saison hinaus zu verlängern. Wörtlich sagte Lex: „Wenn ich gesund bleibe und eine gute Rückrunde spiele, kann man sich darüber Gedanken machen.“ Oder jetzt schon mal, ganz leise. „Der Einstieg ist suboptimal“, fasste Lex seine momentane Verfassung zusammen, „aber ich bin trotzdem frohen Mutes – weil mein Körper schon letztes Jahr gut mitgemacht hat. Ich hab auch in der Pause viel gearbeitet, um potenziellen Verletzungen vorzubeugen.“
Und wie schaut es mit den Aussichten aus, die sportliche Krise im neuen Jahr vergessen zu machen? In Vertretung des gestern schweigsamen Trainers sagte Lex: „Ich glaube, dass wir am Anfang der Saison gezeigt haben, dass wir in der Liga gut performen können – da müssen wir wieder hinkommen.“ Am besten mit einem fitten Lex, aber was das angeht, ist der Kapitän optimistisch. „Durch die Behandlung geht’s schon besser“, sagte er: „Ich hoffe, dass der Hexenschuss genauso schnell weggeht, wie er gekommen ist.“ ULI KELLNER