Bescheidener Typ, kompletter Keeper

von Redaktion

Die Bayern haben Kroatiens Livakovic als Neuer-Vertreter im Blick – so tickt der Top-Kandidat

VON PHILIPP KESSLER UND HANNA RAIF

München – Er stand bei der WM auch gestern wieder im Blickpunkt. Kroatiens Keeper Dominik Livakovic verursachte den Elfmeter, den Lionel Messi zur 1:0-Führung für die Argentinier verwandelte. Der Name Livakovic ist insofern interessant, weil Bayern einen Vertreter von Manuel Neuer (36) sucht. Der Torwart fällt mit einem Unterschenkelbruch für den Rest der Saison aus. Von der Idee, Alexander Nübel (26/Vertrag bis 2025) vorzeitig von seiner bis Sommer 2023 dauernden Leihe aus Monaco zurückzuholen, sind die Münchner Verantwortlichen um Oliver Kahn (53) nicht vollends überzeugt. Zwei Kandidaten soll der Rekordmeister konkret im Visier haben. Einer davon: Livakovic (27). Wie tickt Kroatiens Nationaltorwart, der noch bis 2024 bei Dinamo Zagreb unter Vertrag steht, überhaupt? Unsere Zeitung erklärt den Keeper, der neben Marokkos Nummer eins Bono (32/Vertrag bis 2025 beim FC Sevilla) während der WM auf sich aufmerksam machte.

Charakter: Er ist ruhig und bescheiden. Sein Spitzname ist Livi.

Spielweise: In Kroatien hieß es früher immer, seine größte Schwäche sei es, mit dem Fuß zu spielen und bei Flanken herauszukommen. Er galt nicht als großartiger Torhüter, wenn es darum ging, Elfmeter zu halten. An seinen Schwächen arbeitete Livakovic extrem hart. Aktuell gilt er als kompletter Torwart. Bei der WM zeigte er mehrfach, wie stark er mit Drucksituationen umgeht.

Vorbild: Iker Casillas (41). Der ehemalige Torwart von Real Madrid ist der Spieler, von dem Livakovic sagt, dass er „wegen ihm angefangen hat, Fußball zu spielen“. Sein Idol hat während der WM bisher sogar zweimal auf Twitter über den Kroaten geschrieben, u.a.: „Dominik Livakovic ist ein top Torhüter.“

Mentor: Als Kind begann er beim FC Zadar mit Fußball. Dort war einer seiner ersten Trainer Zeljko Njeic – Spitzname: Opa. Livakovic hat nie vergessen, wie viel er von „Opa“ gelernt hat. 2019 hat er ihm zusammen mit seinem ehemaligen Teamkollegen Josip Condric ein neues Auto gekauft. „Opa“ ist letztes Jahr gestorben.

Familie: Livakovic ist Familie heilig. Er sagt immer, dass einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben sein Großvater Vojmil war. Vojmil war ein Radiologe, der auch im Basketballverein Zadar arbeitete und ihm viel beibrachte: über den Sport und das Leben. Livi sagt, dass sein Großvater ihm die Bedeutung von Bescheidenheit beigebracht hat. Verheiratet ist er mit Helena,

Anfänge: Seine Heimatstadt Zadar ist die Stadt des Basketballs. Dort gibt es ein berühmtes Sprichwort: „Gott schuf die Menschen und Zadar schuf den Basketball.“ Livi war erst Basketballer und sehr talentiert. Und er ist immer noch ein großartiger Basketballspieler, sagen viele. Auch Volleyball kann er gut (wie Ivan Perisic), und er spielt gerne Futsal, aber nicht im Tor, sondern im Feld.

Wechsel-Gedanken: Seit 2015 gehört er Dinamo Zagreb. Er spielte mit den Kroaten regelmäßig im europäischen Wettbewerb, doch ein Wechsel kam bisher nicht zustande. Er hatte die Chance auf einen Transfer, als Nenad Bjelica Zagreb-Trainer war. Ein Wechsel nach Frankreich zu Montpellier scheiterte 2019 am Ratschlag des damaligen Coaches, besser zu einem Top-Club zu wechseln.

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