Doha – „Er ist der beste Trainer der Welt“, sagt Walid Regragui aus Marokko über den Franzosen Didier Deschamps. „Walid hat einen großartigen Job gemacht“, lobt Deschamps den Kollegen für dessen Werk, eine afrikanische Mannschaft erstmals ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft geführt zu haben. Schnittpunkt der Trainer bisher: Beide wuchsen sie in Frankreich auf, der Araber Regragui halt „in einer Vorstadt, in der das Leben nicht leicht war“. Was sie heute verbindet: eine Skepsis gegenüber der Datenflut im modernen Fußball. Regraguis persönliches Feindbild sind Ballbesitzquoten und die Expected-Goals-Statistik. Er mag da ein wenig empfindlich sein, weil der Aufstieg seiner Mannschaft bei der WM von einem „Aber“ in den europäischen Medien flankiert wurde. Marokko mag gegen Kroatien unentschieden gespielt und nacheinander Belgien, Spanien und Portugal, allesamt Top-Ten-Nationen, besiegt haben, aber nie aus einer spielbestimmenden Position heraus. „Interessant, wie Journalisten es feiern, wenn eine Mannschaft 70 Prozent Ballbesitz hat“, sagt Regragui, „aber Ballbesitz allein bringt keine Punkte.“ Er räumt ein: „Pep Guardiola war für mich lange der Held.“ Auch er hat studiert, welche Dominanz der Spanier seine Mannschaften – von Barcelona bis Manchester City – entwickeln lässt. Heute findet er: Schön und gut – aber nichts für ein Turnier. „Für einen Trainer in meiner Position geht es nicht um den langfristigen Aufbau von etwas, sondern darum, es für einen begrenzten Zeitraum auf den Punkt zu bringen“ Und so ist er vom Pep-Weg abgekommen. „Ballbesitz und ,Expected goals’ – wir wollen versuchen, diese Statistiken zu zerstören.“ Was Regragui außerdem nicht leiden kann: das Klischee, wie afrikanischer Fußball zu sein habe, nämlich orientiert an Spaß und Spielfreude. „Das ist vorbei. Wir wollen effektiv sein.“ Frankreich ist Marokko nicht unähnlich. Wie schon 2018 entfaltet die Equipe tricolore nicht das spielerische Potenzial, das die Auflistung der Namen vermuten ließe. Gegen England war sie unterlegen. Die Qualitäten sind andere. „Wir haben nicht alles richtig gemacht, doch wir sind effektiv und kommen über Schwierigkeiten mit unserem Teamspirit hinweg“, findet Didier Deschamps. Die Statistiken nerven ihn. „Wir bekommen zu jedem Spiel ein Buch mit Daten. Durch neue Technologien gibt es noch viel mehr, als wir selbst über uns erhoben haben.“ Deschamps fürchtet, dass die Zahlen auch eine hohe Fehlerquote haben „und dir ohnehin immer das eine und auch das Gegenteil erzählen“. gük