München – Neulich im Baskenland. Das Euroleague-Spiel bei Baskonia Vitoria war den Basketballern des FC Bayern längst entglitten, da sah Freddie Gillespie die Zeit gekommen, das ein oder andere Zeichen zu setzen. Der Modellathlet aus Minnesota blockte Angriffe der Spanier ab, griff sich Abpraller – am Ende immerhin deren zwölf.
Und irgendwie war Gillespies Auftritt auch ein Zeichen der Hoffnung. Dass auch dieser Monat der Akkordarbeit, der nach der 53:78-Abfuhr in Vitoria auch noch die Pleite im BBL-Gipfel in Bonn mit sich brachte vielleicht doch bald eine Wendung zum Positiven bekommen könnte. „Wir sind ein gutes Team“, sagte er selbst, „wir arbeiten hart und das wird sich auszahlen.“
Auch wenn der Wunsch am Dienstag noch nicht in Erfüllung ging, in der Euroleague gab es eine 64:68-Niederlage daheim gegen Real Madrid. Doch falls die Trendwende gelingt, könnten sich die Münchner Kaderplaner um Sportchef Daniele Baiesi spätestens dann bestätigt fühlen. Ein Jahr lang hatte der Italiener den 25-jährigen Center gelockt, weil er etwas Besonderes sah, in diesem Talent, das 29 Spiele in der NBA absolvieren durfte (Toronto, Orlando).
Dabei hatte es bei Gillespie eigentlich lange gar nicht danach ausgesehen, dass der Basketball seine Heimat werden würde. American Football hat er gespielt bis er 15 war. Eine Altersklasse, in der ein Seitenwechsel mit Ambitionen eigentlich undenkbar ist. Gillespie hat es trotzdem versucht, als ihn der Basketball-Coach seines Colleges lockte. Und er hat sich in dieses Spiel verliebt, dieser Mann mit der Spannweite von 2,31 Metern.
Weil dieser Freddie Gillespie neben allem Talent auch eine schier unerschöpfliche Empfangsbereitschaft hat. Und nicht nur was das Spiel betrifft. Diese Seite haben die Bayern schnell kennen gelernt. Vom ersten Tag weg saugte Gillespie wie ein Schwamm auf, was auf ihn einströmte. „Hier siehst du Gebäude, die sind älter als unser Land“, schwärmte er. Mit einer App feilt er an der Sprache. Zumindest die Grundlagen sollen bald sitzen. Essen und Trinken ließ er sich schon im Trainingslager in Italien von Baiesi erklären („Was ist Frischmilch?“).
Aber genau darauf haben die Bayern ja auch gesetzt. Weil man wusste, dass sich dieser Gillespie sich in die Besonderheiten des europäischen Basketballs hineinarbeiten würde. Er hat es in Angriff genommen, hat vor allem in der Defensive gezeigt, warum auch die NBA-Scouts ihn seit Jahren unter Beobachtung haben. Mittlerweile blitzt auch in der Offensive sein Potenzial immer öfter auf. PATRICK REICHELT