Super-Sturm trifft Beton-Abwehr

von Redaktion

Frankreich will Marokko knacken und erwartet „feindselige Atmosphäre“

Doha – 30 000 Fans, die aus Marokko einfliegen, sind angekündigt für das Halbfinale gegen Frankreich (20 Uhr). „Minimum 30 000“, sagt Walid Regragui, der Trainer des WM-Sensationsteams. Schon deshalb solle bitte niemand glauben, in sein Team könne sich eine stille Zufriedenheit einschleichen über das Erreichte und der Gedanke, dass das doch schon genug sei. „Vielleicht wäre das früher unsere Mentalität gewesen, aber das hat sich geändert. Wir hatten den schwierigsten Weg hierher und werden für unseren Traum kämpfen.“ Regragui versichert: „Müdigkeit gibt es nicht in einem WM-Halbfinale.“ Und auch keine Verkrampftheit deswegen, weil einige seiner Spieler – und auch er selbst – duo-national sind und neben der marokkanischen die französische Staatsbürgerschaft besitzen. „Ich bin Coach, und da interessiert es mich nicht, gegen wen ich spiele. Es wäre genauso mit England auf der anderen Seite.“ Die Ambition Marokkos ist klar: „Nach Afrika zurückzukehren an der Spitze der Welt. Vielleicht bin ich verrückt – aber das muss man sein.“

Die produktivste Sturmreihe (Frankreich) wird antreten gegen eine Abwehr, die noch kein Angreifer überwunden hat, denn Marokkos Gegentreffer (beim 2:1 gegen Kanada) war ein Eigentor. Es wird große individuelle Duelle geben auf dem Rasen des Al-Bayt-Stadions. Kylian Mbappé gegen Achraf Hakimi. Beide spielen sie für Paris Saint-Germain, verbringen ihre freie Zeit privat miteinander. Mbappé soll auch noch mit anderen Marokkanern befreundet sein, sie in ihrem Heimatland besucht haben. Die Welten, die weit auseinander zu liegen scheinen, sind sich eigentlich doch recht nahe.

Hugo Lloris, Frankreichs Kapitän und Torwart, erwartet „eine feindselige Atmosphäre“. Es ist klar, was er meint, wenn er auf die Unterstützungsverhältnisse in der Wüstenarena anspielt; französische Fans sind in Katar kaum sichtbar. Didier Deschamps, der Trainer der Equipe Tricolore, meint: „Ich mag den Begriff feindselig nicht. Ja, es wird großer Lärm herrschen – aber der allein schießt noch keine Tore.“ Sein Konzept: Ruhe bewahren. „Man muss sich auch auf die Atmosphäre eines Matches vorbereiten.“ Und: „Bislang hat keiner eine Lösung gegen sie gefunden. Ich hoffe, wir finden eine.“

GÜNTER KLEIN

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