Wird Bär wieder zum Rückrunden-Ballermann?

von Redaktion

Videostimulation, Mucki-Abbau – auf dem Weg zu alter Stärke lässt der genesene Löwen-Torjäger nichts unversucht

München – Hinter den Löwen liegt die erste Einheit der Wintervorbereitung, als Marcel Bär beiläufig übermittelt bekommt, was die Mitspieler vom genesenen Torjäger erwarten. „Wenn er so viele macht wie letztes Jahr“, sagt Stefan Lex in Richtung seines vom Platz stapfenden Kollegen, „dann sind wir, glaube ich, alle zufrieden.“ Bärs Reaktion: ein gequältes Lächeln. Sein Gesicht sagte: Danke für den Druck! Aber er ist ja selbst schuld daran, die Latte mit 21 Treffern und dem Gewinn der Torjägerkanone derart hochgelegt zu haben.

Der flapsige Lex-Spruch – gespeist von neuer Aufstiegshoffnung, die den Namen Bär trägt. Gerade hatte der Kapitän von seinem Hexenschuss berichtet, der ihn die ersten Trainingstage kosten wird. Bär, sein kongenialer Partner aus dem Vorjahr, ist gesundheitlich einen Schritt weiter. In der Sonne von Dubai hat er die längste Leidenszeit seiner Karriere hinter sich gelassen (Corona, Mittelfußbruch inklusive OP, Formkrise), Familienzeit genossen, den Fokus stramm nach vorne gerichtet – und zwischen Pool, Palmen und Pulsuhr das Urvertrauen in Körper und Können wiedergefunden. „Ich merke gar nichts mehr“, sagt Bär mit Blick auf seine Verletzung, die auch mental abgehakt ist. „Ich habe hart gearbeitet im Urlaub. Jetzt möchte ich die Vorbereitung maximal nutzen, um wieder anzugreifen.“

Nicht nur Lex hofft, dass Bär an vergangene Großtaten anknüpfen kann, er selbst hofft es auch – und hat ein paar Stellschräubchen gefunden, an denen es sich zu drehen lohnt. Ein Teil der mühsam auftrainierten Muckis musste wieder runter: „Ich hab gemerkt, dass ich mich obenrum steifer fühle und nicht mehr so explosiv bin.“ Auch etwas weiter oben, wo der viel zitierte Torriecher sitzt, hat Bär Optimierungsoptionen gefunden. Er schaut jetzt Videos, wie der Bär vor seiner Verletzung die Tore erzielt hat. „Dann ist man wieder in der Situation drin“, sagt er, „du spürst die Emotionen, siehst, wie du dich bewegt und freigelaufen hast.“ Sich seine 21 Tore aus dem Vorjahr noch mal vor Augen zu führen, würde helfen, so Bär: „Gerade für einen Stürmer ist es wichtig zu sehen, dass man ja Qualität hat.“

Künftig, so die Hoffnung, würde Bär eine Kopfballchance wie in Bayreuth wieder reinmachen. Er weiß, dass sein erster Jokereinsatz früh kam, dass es teilweise hilflos aussah, wie er auch in drei Spielen danach öffentlich begleitete Formsuche betrieb. Aber, sagt Bär: „Ich würde alles wieder so machen. Man muss das realistisch sehen. Der Anspruch an mich selber ist riesengroß – und diese Spiele waren enorm wichtig für mich, um das alte Gefühl wiederzubekommen.“

Und wie sieht es mit dem guten Gefühl im Aufstiegskampf aus, das schleichend verloren gegangen ist? Was das angeht, bleibt Bär, 30, gelassen – und vertraut auf die positive Erfahrung, die er mit den Braunschweiger Löwen in dieser Liga gemacht hat. „Das geht meistens bis zum Schluss“, sagt er: „Klar ist es schade, dass wir nach gutem Start einen Knick hatten. Das ist aber ganz normal. Nur Elversberg ist eine Ausnahme. Wichtig wird sein dranzubleiben, maximal zwei, drei Punkte Rückstand zu haben – dann ist alles noch möglich.“

Auch eine weitere Bär-Rückrunde mit Toren am Fließband? „Man kann alles wiederholen“, sagt der Stürmer selbstbewusst: „Wichtiger ist aber, dass wir Spiele gewinnen. Wenn ich nur zwei Tore mache und wir steigen auf, dann ist das auch in Ordnung.“ ULI KELLNER

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