0:3 – Löwen immer peinlicher

von Redaktion

Von BVB-Bubis vorgeführt – Fans haben genug von Jacobacci: „Trainer raus!“

VON ULI KELLNER

Dortmund – Wenn sich Hoffnungen auf bessere Zeiten in Rauch auflösen. Derweil die Löwen-Fans am ersten Advent mehr als ein Kerzerl im Gästeblock zündeten, blieben die Profis im Duell bei Borussia Dortmund II jeden Beweis schuldig, sich mit Feuereifer gegen die sportliche Krise zu stemmen. Nach einer bemühten ersten Hälfte verloren die Gäste mehr und mehr den Faden und stolperten buchstäblich zu einem neuerlichen Tiefpunkt. Am Ende stand eine hochblamable 0:3 (0:0)-Pleite, bei der sich die Gäste den anfangs keineswegs furchteinflößenden (und zudem stark ersatzgeschwächten) BVB-Bubis ergaben. „Es tut extrem weh“, sagte Manfred Starke bei MagentaSport. „Es ist eine brutale Scheißsituation, aber irgendwie müssen wir da jetzt zusammen rauskommen.“

Für Maurizio Jacobacci war es die fünfte Pflichtspielniederlage seit Ende Oktober. Dazu kommt seine unglückliche Moderation der Torwartfrage. Den Löwen droht eine ungemütliche Vorweihnachtszeit – und dem Trainer? Hätte der Verein einen Sportvorstand, müsste sich der Italo-Schweizer ab heute unbequeme Fragen stellen lassen. Die Fans machten bereits ihrem Unmut Luft, riefen: „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!“ Aber auch immer lauter: „Trainer raus!“

Sattgrüner Rasen beim Anpfiff, Ränge und Anfahrtswege eisfrei – für die Löwen war der gestrige Sonntagabend eine kleine Flucht aus dem Münchner Winter, eine recht kostspielig allerdings. Die für Samstag gebuchten Lufthansa-Flüge mussten storniert werden, weil im Erdinger Moos alle Maschinen am Boden blieben. Mit ihrer Bitte um Spielverlegung bissen die Giesinger beim DFB auf Granit. Stattdessen ging’s 20 Stunden später per Privatjet ab Augsburg in den Westen. Anreise am Spieltag – ungewohnt für Jacobaccis Team, aber solche Maßnahmen können ja auch dazu beitragen, die Sinne zu schärfen.

Sah es in der Anfangsphase so aus, als würden die Löwen offensiv an ihren guten Auftritt von Saarbrücken anknüpfen (nur ohne Punch vor dem Tor), zeigten sich vom Anpfiff weg schwere Konzentrationsmängel in der Defensive. Seine Aufstellung hatte David Richter bereits zur Pause gerechtfertigt. Marco Hiller, die degradierte Nummer eins, saß äußerlich ungerührt auf der Bank – und bekam vom Coach noch mal ein paar deutliche Worte aufs Brot geschmiert. „Ich stehe immer noch dazu, was ich gesagt habe“, begründete Jacobacci im TV sein gebrochenes Stammplatzversprechen: „Aber in den letzten zwei Wochen hat sich was verändert.“ Hiller habe das Vertrauen beim Totopokal-Aus in Pipinsried „nicht zurückgeben“, urteilte der Trainer streng.

War das 0:0 noch halbwegs leistungsgerecht, drehten die BVB-Bubis nach der Pause in gleichem Maße auf, wie die Löwen abbauten. Die Art und Weise, wie die Tore fielen, lässt tief blicken: Ole Pohlmann durfte sich ungestört bis vors Löwen-Tor dribbeln, das 2:0 von Julian Hettwer, bei dem Verlaat und Kwadwo ungelenk rumstacksten, wird man noch mal in der Rubrik „Kacktor des Monats wiedersehen, beim 3:0 von Ayman Azhil wurden die türkisen Blauen aus Giesing im Anschluss an eine Ecke ausgekontert. Sind das schon Auflösungserscheinungen? Die Spieler mussten sich nach dem Schlusspfiff einiges am Gästeblock anhören. Jacobacci hielt Sicherheitsabstand. Diese krachende Niederlage dürfte auch ihm zu denken geben. Er sagte: „Wir sind alle nicht zufrieden mit dem, was momentan passiert.“

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