Laura Kluge ist Deutschlands Olympia-Trumpf. © IMAGO/BROMAN
Boston – Schon beim Frühstück geht‘s für Laura Kluge international zu. „Ich wohne mit einer Österreicherin, einer Tschechin und einer Finnin zusammen“, erzählt die derzeit beste deutsche Eishockeyspielerin. Die WG am Stadtrand Bostons ist in den nächsten sechs Monaten die Heimat der Berlinerin, die sich in ihrer zweiten Spielzeit in der nordamerikanischen Profiliga PWHL etablieren will.
„Ich hoffe, in Boston eine andere Rolle in der Mannschaft zu bekommen, als ich sie zuletzt in Toronto hatte. Damit ich auch mehr Spielpraxis sammeln und mehr Verantwortung auf dem Eis übernehmen kann“, sagt die 29-Jährige, die bei ihrer Premierensaison in Kanada erst im Februar eingestiegen war und wenig Eiszeit erhielt. „Das wäre wichtig für mich, um mich bestmöglich auf Olympia vorzubereiten.“
Weil sie in Toronto nach Kurzeinsätzen und nur zwei Torvorlagen kein Weiterkommen sah, wechselte Kluge im Sommer zur Boston Fleet. Mit der Aussicht, ihr „enormes Potenzial“, so Managerin Danielle Marmer, „an dessen Oberfläche sie noch nicht einmal gekratzt hat“, aufs Eis zu bringen.
Mit 14 gab Kluge bereits ihr Debüt in der Bundesliga, seit elf Jahren spielt sie in der Nationalmannschaft, nahm an neun Weltmeisterschaften teil – und überragte beim Deutschland Cup vor zwei Wochen in Landshut. Da zeigte sich, dass sie trotz wenig Eiszeit in ihrer ersten PWHL-Saison deutliche Fortschritte gemacht hat – vor allem in Sachen Athletik und Tempo. In der Bundesliga führte sie nach den ersten eineinhalb Monaten mit 22 Punkten in zwölf Spielen die Scorerliste deutlich an.
Statt der 90 Besucher beim letzten Spiel mit den Eisbären Berlin werden in den nächsten Wochen wieder Tausende Kluge zuschauen, wenn sie ihren amerikanischen Traum lebt – beispielsweise in den NHL-Stadien in New Jersey, Minnesota, Seattle und Detroit um Weihnachten und Neujahr.
Für sie beginnt die Saison am Sonntag (19.00 Uhr MEZ) im Tsongas Center der University of Massachusetts gegen Montréal Victoire, das Team ihrer Nationalmannschaftskollegin Sandra Abstreiter. Erst mal Zuschauerin ist die dritte Deutsche: Nina Jobst-Smith, vom neuen Klub Vancouver Goldeneyes gedraftet, fällt wegen einer Verletzung vorerst aus.
Deutsch könnte Kluge aber nicht nur sprechen, wenn es gegen Montréal oder Vancouver geht, sondern auch mit Landsleuten in Boston. Mit Marco Sturm, der die Bruins trainiert, „lässt sich vielleicht was organisieren“, sagt sie. Und mit den Eishockey-Zwillingen Luisa und Lilli Welcke, die an der Boston University studieren und spielen, will sie sich „bestimmt das ein oder andere Mal treffen“.
Und natürlich in ihrer WG. Mit ihrer Sturmkollegin Theresa Schafzahl – und Susanna Tapani und Daniela Pejsova, die am Frühstückstisch das ein oder andere Wort nicht verstanden haben…SID