Trifft auch als Startelfspieler: Patrick Hobsch. © IMAGO
München – Es war erst sein zweiter Einsatz in der Startelf, der erste über 90 Minuten, und Patrick Hobsch ging ihn an, wie er es zuletzt verinnerlicht hatte – mit der Wachheit eines Jokers. Gerade mal 13 Minuten benötigte der Stürmer, um 1860 gegen Saarbrücken in Führung zu schießen. Ein cooler Flachschuss, den der 31-Jährige umso heißblütiger feierte: ausgebreitete Arme, Becker-Faust, laut brüllend empfing er seine Mitspieler zur Jubeltraube. Ein typischer Hobsch dieses 1:0: Mitgelaufen, kurz aufgeschaut – und dann den Ball mit großer Übersicht ins Netz geschoben.
Hobsch, der eiskalte Vollstrecker. „Er ist ein Knipser, der sich so eine Chance nicht entgehen lässt“, lobte Trainer Markus Kauczinski. Und vor allen: ein Knipser, der keine lange Eingewöhnung braucht. Hobschs vierter Saisontreffer folgte einem vertrauten Muster, denn auch als Joker vom Dienst hatte er wenig Zeit verstreichen lassen, um Fans wie Mitspieler jubeln zu lassen. 15 Minuten stand Hobsch auf dem Feld, ehe er in Aachen zur Führung traf (89.), 11+6, ehe er für späte Erlösung gegen Havelse sorgte (3:2), sieben vor seinem Treffer zum 2:2-Endstand gegen Köln (52.). Dreimal hatte er als Einwechselspieler getroffen, am Sonntag nun erstmals als Startelfspieler. „Diese Konstellation haben wir vorne noch nicht gehabt“, begründete Kauczinski sein Vertrauen in das Duo Hobsch/Haugen: „Das hat gut funktioniert in den Testspielen, deswegen wollten wir das mal in der Liga ausprobieren.“
Eine überfällige Entscheidung, wenn man Hobschs Werte zugrunde legt. Wies der Ex-Hachinger schon in seinem ersten 1860-Jahr eine beachtliche Quote auf (elf Tore, fünf Assists), so scheint er als anfänglicher Niederlechner-Backup noch mal an seiner Effizienz gearbeitet zu haben. Alle 203 Minuten traf Hobsch 2024/25 ins Schwarze – eine handelsübliche Stürmerquote. Heuer benötigt er im Schnitt nur 87 Minuten, um den Ball über die Linie zu bugsieren. Zum Vergleich: Sascha Mölders holte sich 20/21 mit 22 Treffern die Drittliga-Torjägerkanone, Marcel Bär ein Jahr danach mit 21 Treffern. Mölders ließ es alle 150 Minuten krachen, Bär war jeweils fünf Minuten schneller.
Und Hobsch? Der muss sich aktuell in Sachen Effizienz vor niemandem verstecken. Lars Gindorf trifft als Toptorjäger der 3. Liga alle 86 Minuten, hat aber auch schon sieben Elfmeter verwandelt (bei insgesamt 12 Treffern). Nicklas Shipnoski (SV Waldhof) weist einen ähnlichen Wert wie Hobsch auf: vier Tore bei 340 Einsatzminuten. Lediglich der frühere Zweitligastürmer Terrence Boyd (ebenfalls Mannheim) stellt quotenmäßig alle in den Schatten: drei Treffer in nur 195 Minuten – 65 im Schnitt. Zum Vergleich: Ein Kane braucht in der Bundesliga 80 Minuten, um für Bayern zum Torerfolg zu kommen.
Ein Trainerlob erhielt Hobsch am Sonntag aber auch, weil er bis zum Schlusspfiff mitgeholfen hatte, ein offensives Kombinationsspiel aufzuziehen. „Hobschi hat auch losgelöst vom Tor ein gutes Spiel gemacht“, sagte Kauczinski: „Er hat sich gut eingebracht und mit Sigi zusammen eine gute Energie gehabt.“ Und was sagt Hobsch selber? Ist er nun endgültig drin im Team? „Der Trainer ist ja erst seit ein paar Spielen da“, sagte er gelassen: „Natürlich wirft man da nicht gleich alles über den Haufen, sondern schaut sich erst mal alles an.“ Gesehen hat er einen coolen Knipser, um den die Löwen viele Drittligisten beneiden dürften.ULI KELLNER