„Fürs Förderbandl reicht‘s noch“

von Redaktion

Ski-Ass Thomas Dreßen über seine neue Trainer-Rolle, die Form und Tochter Elena

Im „Büro“: Thomas Dreßen, Kitzbühel-Sieger von 2018, ist mittlerweile Europacup-Trainer der deutschen Mannschaft. © Instagram

München – Fünf Weltcups hat Thomas Dreßen gewonnen, darunter das legendäre Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel und auf seiner Heimstrecke in Garmisch-Partenkirchen. Doch dann streikte der Körper. Seit Mai ist der 31-Jährige, der vor zwei Jahren seine Karriere beendete, Trainer für das deutsche Europacup-Team.

Filmen, beobachten, im Baum sitzen – wie gefällt Ihnen Ihre neue Trainer-Rolle?

(lacht) Zuerst einmal: Auf Bäume klettere ich nicht. Ich hab keine Höhenangst, aber ich habe während meiner Karriere genug Risiko auf der Piste genommen. Da brauche ich es nicht jetzt in den Bäumen auch noch.

Akzeptiert. Und sonst?

Die Arbeit am Hang und drumherum mit den Athleten ist richtig cool und gar nicht mal so viel anders als früher. Da habe ich mir auch permanent überlegt, wie ich schneller werden kann. Jetzt mache ich mir halt Gedanken darüber, wie man die Athleten besser machen kann.

Als Sie aufgehört haben, hätte ich ehrlich gesagt dagegen gewettet, dass Sie Trainer werden.

Ich muss auch zu geben, dass ich mir damals gedacht habe: „Trainer, das interessiert mich überhaupt nicht.“ Aber das lag vermutlich daran, dass ich so unter Druck stand und mit so viel Leidenschaft und Einsatz dabei war, dass ich erstmal Abstand gebraucht habe.

Was ist in dem einen Jahr passiert?

Ich habe gemerkt, dass es der Skisport das ist, was mich nach wie vor am meisten interessiert. Bei der WM durfte ich in der Speedwoche beim DSV mit reinschnuppern. Im Frühjahr habe ich mich mit Christian Schwaiger (DSV-Männerchef) zusammengesetzt. Wir haben ein längeres Gespräch geführt und ich habe ihm erklärt, wie ich gerne arbeiten würde.

Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen, Ihre Erkenntnisse zu vermitteln? Selbst umsetzen geht ja nicht mehr…

Kommunikation ist entscheidend. Es gibt immer die innere Wahrnehmung der Athleten und meine äußere Draufsicht. Ich will zuerst wissen, wie der Athlet selbst denkt. Über die Gespräche entwickelt man ein Gefühl füreinander. Jeder tickt ein wenig anders und nicht alle brauchen die gleiche Ansprache. Eine gewisse Eingewöhnungszeit ist für beide Seiten normal. Deswegen ist mir die Rückmeldung der Sportler und auch der anderen Trainer brutal wichtig.

Das klingt schon sehr nach Trainer, finde ich…

Ich bin ja jetzt auch ein Trainer. (schmunzelt)

Der Athlet ist komplett weg?

Mei, was heißt weg. Dieses Suchen nach Verbesserung, ganz gleich, ob im physischen Bereich, mental, ernährungstechnisch, skitechnisch oder taktisch, das hat nicht aufgehört. Nur, dass ich jetzt im Hintergrund arbeite. Aber wenn dann Aha-Erlebnisse passieren, spüre ich auch heute noch Glücksgefühle. Und die Entwicklung hört nie auf. 100 Prozent kannst du eigentlich nie erreichen.

Sie haben Ihre Karriere nicht freiwillig beendet, Ihr Körper hat das getan. Wie geht es Ihnen heute?

Ich bin mehr herausgerissen worden, als dass ich es mir selber ausgesucht habe. Heute geht‘s mir gesundheitlich super. Ich mache natürlich auch nur noch Dinge, von denen ich weiß, dass sie meinem Körper guttun. Aber Freifahren auf der Piste mit den Athleten, das krieg‘ ich schon noch hin. Ich würde behaupten, dass ich noch nicht ganz schlecht auf dem Ski stehe. Aber es geht nicht mehr um die Zeit, sondern zum Beispiel auch um meine Tochter, die ist im Juni zwei geworden.

Also noch ein Jahr und dann ab auf die Ski?

So lange wird‘s wohl nicht mehr dauern. Unser Bub ist zehn Monate, da habe ich noch Zeit. Aber meine Tochter redet jetzt schon immer davon, dass ich mit ihr Skifahren soll. Und das ist auch das Schöne, dass ich dafür im Winter jetzt Zeit habe und Spaß mit ihr haben kann. Und: Für‘s Förderbandl reicht meine Form schon noch.

INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER

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