Dass es irgendwann mal gut ist mit der Nostalgie, konnte man allein an der Hotel-Wahl des FC Bayern in London festmachen. War der Rekordmeister zum letzten Gastspiel beim FC Arsenal im Jahr 2024 noch aus Aberglauben an jener Nobel-Adresse abgestiegen, in der er 2013 seinen Champions-League-Sieg begossen hatte (“The Landmark“), residiert man diesmal im gut vier Meilen entfernten „Courthouse Hotel Shoreditch“. Ein ehemaliges Justizgebäude, heute topmodern und eine der besten Adressen der Stadt. Und mal ehrlich: Guter Schlaf konnte nur von Vorteil sein. Denn im Emirates-Stadion wartet der bisher schwerste Prüfstein der Saison.
Ja, es ist immer noch vor Weihnachten und noch lange nicht Frühling. Und ja, es geht nur um drei Punkte und keinen K.o. Und trotzdem schwingt bei diesem spätherbstlichen Ausflug auf die Insel schon ein Hauch jener Spannung mit, die nur die ganz großen Spiele umweht. Da ist ein Gegner, an dem sich die halbe Premier League bereits die Zähne ausgebissen hat und niemand auch nur einen Treffer erzielen konnte. Und da ist der neue FC Bayern, der sich in dieser Partie auf die nächsthöhere Stufe heben kann. Ein Sieg in London – und man hat die Königsklasse noch lange nicht gewonnen. Aber man hätte den letzten Beweis dafür angetreten, dass sich dieses Kompany-Team in der aktuellen Verfassung nur selbst schlagen kann.
Die Fußball-Welt weiß bereits, dass die Bayern die Großen (Dortmund, Leverkusen, Stuttgart) und ganz Großen (Chelsea, Paris) fulminant schlagen können. Sie weiß, dass sie ungemütliche Spiele (Augsburg, Wiesbaden) überstehen, sich von einem Ausrutscher (Union) nicht verrückt machen lassen und Rückstände drehen können (Freiburg). Aber sie weiß noch nicht, wie sie ein enges Spitzen-Duell auf Augenhöhe über 90 Minuten – und womöglich einem Rückstand – angehen.
Alle – Fans, Verantwortliche, Kompany – dürfen sich freuen, Zeuge dieser Partie zu werden, die das Potenzial hat, in der Crunchtime noch einmal hervorgekramt zu werden. Im besten Fall als Vorbote des ganz großen Wurfes. Aber auch im schlechtesten Fall einer Niederlage wird sie das bisher Geleistete nicht überstrahlen. Die Bayern wirken gefestigt wie lange nicht, da baut sich gerade etwas auf.