Gemeinsam erfolgreich bei Manchester City: Spieler Vincent Kompany, Co-Trainer Mikel Arteta und Chefcoach Pep Guardiola (v. li.) in der Saison 2019. © Garcia/Imago
London – Es ist gut für Vincent Kompany, dass er am liebsten im Hier und Jetzt lebt. Denn so konnte der Coach des FC Bayern auch die Reise nach London am Dienstagnachmittag in dem Gewissen antreten, dass es an diesem Mittwoch (21 Uhr) im Duell der Giganten mit dem FC Arsenal um die 90 zu spielenden Minuten geht und nicht das, was er als Trainer gegen die Gunners erlebt hat. Immerhin zwei Mal ist der heutige Trainer des FC Bayern schon auf Arsenal unter Mikel Arteta getroffen. Die Bilanz der beiden Spiele als Coach des FC Burnley: null Punkte, 1:8 Tore.
Das soll diesmal, wenn die beiden bisher besten Teams der Champions-League-Saison aufeinandertreffen, freilich anders laufen. Im Abschlusstraining am Dienstag war jedenfalls Feuer drin beim FC Bayern: Schon beim Warmmachen standen sich Dayot Upamecano und Tom Bischof Kopf an Kopf gegenüber. Und auch die Vorzeichen haben sich ja entscheidend gewandelt. Kompany kommt nicht mit einem Außenseiter, sondern einem Gegner auf Augenhöhe daher. Das Kreuz sei breit, bestätigte Max Eberl vor dem Abflug: „Und zwar berechtigterweise.“ Jan-Christian Dreesen sagte: „Wir sind selbstbewusst und werden nie nervös.“
Bayern hat keine Angst. Nicht mal vor dem Tabellenführer der Premier League; dem Team, das in der Champions League noch keinen (!) Gegentreffer zugelassen hat; und vor allem dem Team, das an der Seitenlinie einen Mann hat, der – wie Kompany – eine gute Portion Fußball-Sachverstand seines Mentors Pep Guardiola abbekommen hat.
Die Story der beiden Mini-Peps machte schon in der gemeinsamen Premier-League-Saison 2023/24 die Runde. „Ich habe das alles schon mal erzählt“, sagte Kompany am Dienstagabend lachend. Vor dem erneuten Aufeinandertreffen und mit Blick auf die Weiterentwicklung beider junger Trainer stellt sich aber erneut die Frage: Wer hat mehr Pep(p)? Ist es Kompany, von dem Arteta nach drei gemeinsamen Jahren bei ManCity inklusive zwei Meistertiteln sagt: „Er war bereits ein Trainer, als er noch gespielt hat“? Oder ist es Arteta, der ehemalige Co-Trainer von Guardiola, der nach sechs Jahren an der Seitenlinie von Arsenal berechtigte Hoffnungen auf den ersten Titel seit mehr als 20 Jahren macht? Beide haben zweifellos ihren eigenen Stil, keiner kopiert Guardiola blind. Und beide wollen nur zu gerne zeigen, dass sie es besser machen als der andere.
Es ist schon kurios, dass die Bayern und Arsenal im absoluten Gleichschritt durch die Saison spazieren. In der Königsklasse als einzige Teams neben Inter Mailand ungeschlagen, in der Liga mit gutem Puffer auf Platz eins – und wenn die Bayern ihre Generalprobe mit 6:2 gegen Freiburg gewinnen, legt Arsenal halt ein 4:1 gegen Tottenham nach. „Mit Respekt“ gehen die Bayern die Partie laut Dreesen an, Eberl freut sich auf ein „intensives Spiel“. Logisch, dass die Bayern es über ihre Offensive prägen wollen und Arsenal über die Defensive, die beide Bestwerte im laufenden Wettbewerb aufweisen. „Wir spielen sehr unterschiedlich, das macht es so interessant“, sagte Kompany.
Chelsea war ein Prüfstein, PSG auch – aber Arsenal ist das Maß aller Dinge. In Artetas ersten Jahren sah man viel Guardiola, inzwischen hat sich der 43-Jährige emanzipiert. Die Bayern sind gewarnt vor den Standards (Tah: „Wachsam sein!“), das mit 300 Mio. Euro verstärke Ensemble kann aus der starken Defensive heraus für Gefahr sorgen. Kompany setzt eine Power entgegen, die ihresgleichen sucht. Vier der letzten fünf Duelle gingen übrigens an die Bayern. Auch wenn Kompany nicht gerne zurückschaut: ein Mutmacher.HANNA RAIF, PHILIPP KESSLER