Der deutsche Kapitän im US-Sandwich: Moritz Seider wurde von den Amerikanern hart angegangen, hielt aber stand. © ENNIO LEANZA/AFP
Zürich/München – Das Lächeln ist zurück auf den Gesichtern der deutschen Eishockeyspieler. Das Lächeln, wenn Aktionen gelingen und psychologische Lasten abfallen. Das Lächeln nach Toren, das Lächeln, dass man nun auch Punkte hat. Wenigstens einen, den ersten. Erst nach Penaltyschießen (3:4) unterlag die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Zürich gegen einen Großen, die USA. Man stand sogar kurz vor einem glatten Sieg. Das Ergebnis verändert die Perspektive: Bei noch verbleibenden Partien gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien ist das Erreichen des Viertelfinales, das erklärte Ziel des Verbands, wieder möglich. Die Leistung war stark, das Selbstvertrauen ist zurück.
Den Satz „Wenn wir 1:0 in Führung gehen, ist es ein anderes Spiel“ hatte man nach dem demütigenden 1:6 gegen die Schweiz zwei Tage zuvor zu hören bekommen. Frederik Tiffels sprach die Sehnsucht aus, mal nicht hinterherrennen zu müssen. Sie erfüllte sich prompt gegen die Amerikaner, im ersten Wechsel. Tiffels selbst scheiterte noch an US-Tormann Cooley, doch Kapitän Moritz Seider war nach exakt einer Minute erfolgreich. Die Deutschen hatten einen freien Tag hinter sich, ohne Eiskontakt, man sah ihnen den Willen zum Neustart ins Turnier an.
Die Fehlerhaftigkeit in der Defensive war deswegen nicht dahin. Eine kleine deutsche Fehlerkette ermöglichte den USA den Ausgleich (Howard/15.) und im zweiten Drittel dann auch die Führung (Sasson/26.), doch das Team von Harold Kreis zeigte diesmal Widerstandskraft, steckte weg, dass ein Treffer von Kai Wissmann, schon als 2:2 bejubelt, nach Videobeweis wegen Abseits einkassiert wurde – und holte das Tor nach: Tiffels erstocherte sich den Puck, machte das offizielle 2;2 (30.), Marc Michaelis kam zu seinem ersten Torschuss der WM, und der saß – 3:2 (33.). „Für die Moral wichtig – englich gehen die Dinger vorne mal rein“, befand Abwehrspieler Leon Gawanke.
Die Amerikaner, mit ihrem tage zuvor eingeflogenen Olympiasieger Matt Tkachuk angetreten, arbeiteten gegendie drohende Niederlage an. Mit allen Mitteln. Ihnen gelang das 3:3 (55.) – das DEB-Torhüter Philipp Grubauer mächtig empörte. Er fühlte sich entscheidend behindert, reklamierte, die Scheibe wäre ihm aus dem Handschuh gehauen worden. Das Tor galt trotzdem. Ärgerlich, dadurch musste man in die Verlängerung. Das kostete zwei Punkte.GÜNTER KLEIN